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Investoren: Wagniskapitalinvestoren werden wieder pessimistischer Nach einem positiven Jahresstart trübt sich das Branchenklima ein. Zugleich sichern sich deutsche Start-ups Kapital in Rekordhöhe. Finanzinvestoren suchen weiter nach Ausstiegsmöglichkeiten.
Start-up-Büro: Mehrere Wachstumsunternehmen erreichten im zweiten Quartal erstmals eine Milliardenbewertung. Foto: AFPFrankfurt. Die Stimmung unter Wagniskapitalinvestoren verdüstert sich. Nach einer leichten Erholung zum Jahresbeginn deuten mehrere Indikatoren auf ein schlechteres zweites Quartal hin.Das zeigt das Investorenbarometer der Förderbank KfW und des Bundesverbands Beteiligungskapital (BVK), das dem Handelsblatt vorab vorliegt. Demnach verliert das Geschäftsklima im Venture-Capital-Bereich, das oft stark schwankt, im zweiten Quartal 10,2 Zähler und befindet sich mit minus 35,8 Punkten deutlich im negativen Bereich.Bei Werten oberhalb der Nulllinie gilt das Geschäftsklima als positiv. Der Indikator basiert auf der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie auf den Erwartungen an das Geschäft in sechs Monaten.KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sagt: „Die Investorenstimmung auf dem deutschen Venture-Capital-Markt hat im zweiten Quartal 2026 einen Dämpfer bekommen.“ Er führt den Einbruch auf makroökonomische Unsicherheiten und anhaltende Sorgen bei Fundraising und Exits zurück.Fundraising beschreibt die Möglichkeit, neue Fonds aufzulegen sowie Investorengeld einzusammeln, und ist stark mit der Zinsentwicklung verknüpft. Exits bezeichnen Ausstiege aus bestehenden Beteiligungen in der Regel durch Verkauf oder Börsengang.Das Exitklima hat sich im zweiten Quartal merklich verschlechtert. Der Indikator fällt um 15 Zähler auf das Dreijahrestief von minus 56,3 Punkten. Sowohl sogenannte Tradesales – der Weiterverkauf von Beteiligungen an einen strategischen Investor – als auch Secondaries – der Kauf oder Verkauf von Beteiligungen an Portfoliounternehmen oder ihre Fonds am Sekundärmarkt – verlieren.Secondaries waren bis in jüngster Vergangenheit eine beliebte Möglichkeit, um Geld an Finanzinvestoren zurückzuführen. Der Indikator für das Exitklima stieg im vergangenen Jahr gegen den Trend bis auf plus 1,6 Punkte im dritten Quartal. Mit dem aktuellen Minus im zweiten Quartal dieses Jahres ist er in nur drei Quartalen auf ein neues Allzeittief gefallen.Große Finanzierungsrunden machen MutDoch es gibt Grund für Optimismus, zeigt die Untersuchung. Das zweite Quartal war mit einem Dealvolumen von 3,4 Milliarden Euro das stärkste seit vier Jahren. „Sieben Megadeals, darunter eine KI-Milliardenrunde, haben das Dealvolumen im zweiten Quartal getrieben.“ Weitere seien für das dritte Quartal bereits bekannt, sagt Schumacher von der KfW.Hinrichs ergänzt: „Die großen Finanzierungsrunden der vergangenen Wochen zeigen, dass deutsche Scale-ups auch in einem anspruchsvollen Umfeld international wettbewerbsfähig sind und Wachstumskapital gewinnen können.“ Wenn diese Erfolge weitere Venture-Capital-Investoren ermutigen, könnten sie wichtige Impulse für den Markt setzen und im weiteren Jahresverlauf zu einer spürbaren Aufhellung des Geschäftsklimas beitragen, sagte die Verbandssprecherin.Gleichzeitig gab es neue Einhorn-Runden, bei denen Start-ups erstmals eine Milliardenbewertung erreichten. Das jüngste Beispiel ist die Münchener Mobilitätsfirma Finn: Ende Juni gab Unternehmenschef Maximilian Wühr bekannt, das Unternehmen habe 140 Millionen Euro eingesammelt und damit die Milliardenbewertung erreicht.Gründer Investoren verteilen mehr Geld auf weniger Start-ups Das deutsche Robotik-Unternehmen Neura Robotics aus Metzingen in Baden-Württemberg ist im Juni durch eine Rekordfinanzierungsrunde von bis zu 1,4 Milliarden Dollar mit einer Bewertung von sieben Milliarden Dollar offiziell zum Einhorn aufgestiegen.Private-Equity-Geschäftsklima erholt sich nichtDie Entwicklung am Markt für Börsengänge, Initial Public Offerings (IPOs), ist ungewiss. Zwar hat sich das IPO-Klima unter Wagniskapitalinvestoren mit 5,9 Zählern auf minus 37,2 Punkte leicht verbessert, bleibt aber auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Untersuchung führt die leichte Erholung auf den Rekordbörsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX in den USA zurück. Bei Private-Equity-Investoren ist die Stimmung hinsichtlich Börsengängen noch schlechter, mit einem Verlust von 22,7 Zählern auf minus 51,2 Punkte im zweiten Quartal. Verwandte Themen KfWSpaceXBörseKonjunkturÄhnlich schlecht beurteilen Beteiligungsgesellschaften die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen. Der Indikator für die Geschäftslage ging um 13,4 Zähler auf minus 27,8 Punkte zurück. Der Indikator für die Geschäftserwartungen sackte mit Verlusten von 21,4 Zählern auf minus 36,6 Punkte noch stärker ab. Das Geschäftsklima hat sich damit auf minus 32,2 Punkte abgekühlt, ein Verlust von 17,4 Zählern.BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs ist angesichts des Stimmungsdämpfers der Auffassung, es sei umso wichtiger, dass die Investitionsbereitschaft der Beteiligungsgesellschaften sowie ihr Interesse an attraktiven Unternehmen hoch blieben. „Entscheidend für eine nachhaltige Belebung des Private-Equity-Geschäftsklimas ist, dass geopolitisch Ruhe einkehrt, die Konjunktur anspringt und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen verlässlich bleiben“, sagte sie. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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