Premiumpreis für die Parklücke: Smart #2 zielt auf die Zielgruppe der Städter, aber nicht auf SchnäppchenjägerNach bald dreissig Jahren feierte in China der Smart Fortwo sein Comeback. Doch Europa gibt bei diesem Projekt den Ton an – und wird zum wichtigsten Markt.Thomas Geiger03.08.2026, 11.30 Uhr4 LeseminutenAn der Auto China zeigte Smart den #2 als Nachfolger des zweisitzigen Fortwo. Die Serienversion folgt im Herbst.PDEr war mit Abstand das kleinste Auto im National Exhibition Center von Peking – und doch der grösste Star der diesjährigen Auto China. Nachdem Smart sich mit fünfsitzigen SUV-Modellen wie dem #1 und dann erst recht mit dem #5 zu ungewohnter Grösse aufgeschwungen hatte und dabei viele Fans des markentypischen Kleinstwagens verlor, kehrt die Marke jetzt zu ihren Wurzeln zurück und zeigt als #2 tatsächlich einen Nachfolger für den zweisitzigen Fortwo.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Name (gesprochen «Hashtag Two») deutet an, dass der Kleine wieder nur zwei Sitze hat. Zudem steht mit 2,80 Metern auch bei der Länge eine Zwei an erster Stelle. Doch damit ist das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen, denn für das praktische Querparkieren auf Längsparkplätzen wäre das zehn Zentimeter zu lang. Mit dieser Art der besseren Parkplatzausnutzung hatte Smart in den 1990er Jahren viele Kunden gewonnen, die mit ihren kurzen Fortwo-Modellen ganz enge Parklücken nutzen konnten.«Vielleicht finden wir ja auf dem Weg in die Serie noch ein paar Zentimeter», so schürt der Europachef Wolfgang Ufer die Hoffnungen der Querparkierer. «Der letzte Fortwo war 2,70 Meter lang und durfte das. Wäre doch schön, wenn wir dieses Alleinstellungsmerkmal auch künftig wieder bieten könnten.»Noch ist unklar, ob das Serienfahrzeug über die gleichen Stossfänger wie das Konzeptauto verfügt.PDSchon bei der Vorstellung des Konzeptautos in Peking trug der Kurze das gewohnt knuffige Design des Fortwo mit farblich abgesetztem Rahmen, Pausbacken, Stupsnase und Glubschaugen, das schon den Vorgänger zu einem Herzensbrecher machte. Nur dass diesmal auch das Interieur und der Antrieb zu diesem Anspruch passen sollen. Die in Peking noch ohne Interieur gezeigte Studie strotzt deshalb vor Lack und Leder.Auch soll es bei der Elektroreichweite deutlich besser werden: Wo früher nach 120 Kilometern Schluss war, stellt Smart nun Reichweiten zwischen 250 und 300 Kilometern in Aussicht. Zwar wird es kaum für einen 800-Volt-Akku reichen, aber das ist bei einem derart kleinen Auto mit entsprechend kleinem Bauraum für die Batterien auch nicht nötig. Immerhin soll der Smart #2 den kleinen Akku von 10 auf 80 Prozent in wenigen Minuten aufladen können.An den Erfolg des Vorgängers soll der Neue anknüpfenKaum sei der Concept-Car an der Auto China enthüllt gewesen, seien die Smart-Fans in Verzückung geraten, sagt der Europachef Ufer und berichtet von wahren Begeisterungsstürmen in den Foren und seinem persönlichen Postfach. Aber er weiss auch, dass er die Anhänger des Kleinstwagens durch die lange Wartezeit auf einen Nachfolger arg auf die Folter gespannt hat. «Dabei war der Fortwo-Nachfolger vom ersten Tag an in unserem Kopf», sagt er und erinnert sich an 2010, als Mercedes die Marke in ein Joint Venture mit Geely einbrachte, die Verantwortung den Chinesen übertrug und sich aufs Design beschränkte.Von Anfang an sei auch klar gewesen, dass ein neuer Zweisitzer perfekt zur Zielgruppe passen und endlich auch Rendite abwerfen müsse. Mit den ersten beiden Entwürfen für den #2 sei ihnen das nicht gelungen.Das Testprogramm für das Serienmodell des #2 ist in Europa in vollem Gang.PDDass es jetzt klappen kann, liegt nicht zuletzt an der neuen Konstellation. Mercedes hat mehr als fünfundzwanzig Jahre lang versucht, den Stadtzwerg zum Erfolg zu führen. Aber erst das umfangreiche Teilelager bei Geely und die wie in China übliche rasche Umsetzung hätten die Entwicklung ermöglicht. «Das ist wie ein Supermarkt: Du greifst die Akkus, Antriebe und Lader aus dem Regal, die du brauchst», sagt Ufer.Dennoch dürfte die Entstehung des Smart #2 eine Herausforderung sein, auch weil der neue Zweier durchaus Mercedes-Standards erfüllen soll, etwa bei der Sicherheit. Fünf Sterne im Sicherheitstest Euro NCAP kann Smart gemäss Ufer zwar nicht versprechen. «Aber», sagt er, «wir wollen das maximal Mögliche herausholen.» Im Geely-Sortiment waren zwar brauchbare Komponenten zu finden, die Plattform aber mussten die Ingenieure eigens für das Comeback des Kleinstwagens entwickeln. Ob andere Modelle darauf aufbauen, scheint fraglich.Diesmal soll die Rendite stimmenKein Wunder, dass Ufers Team unter hohem Erwartungsdruck steht. In den besten Fortwo-Jahren gab es sechsstellige Verkaufszahlen. Der Neue muss laut Ufer zumindest «hoch fünfstellige Zulassungszahlen» schaffen. Er scheint fest davon überzeugt, dass dies gelingen werde und der #2 in seiner Statistik bald die Nummer eins sein werde.Vom Interieur des #2 gibt es bis jetzt nur Zeichnungen. Sie deuten auf eine puristisch-minimalistische Formgebung hin.PDOb und wie das gelingt, wird am Ende auch der Preis entscheiden. Den aber will Smart noch nicht nennen, schliesslich steht das Serienmodell erst im Oktober im Salon in Paris, die Markteinführung in Europa ist für das zweite Quartal 2027 geplant.Ufer erinnert zumindest schon einmal daran, dass Smart nie ein Preisbrecher war, sondern «Premium unter den Kleinwagen». Es gebe kaum ein Auto mit einer solch breiten Zielgruppe. Die rund zwei Millionen der ersten drei Fortwo-Generationen seien von Sozialdiensten und Pizzakurieren genauso gekauft worden wie von Porsche-Fahrern, die ihren Cayenne beim Stadtbummel hätten zu Hause lassen wollen.«All das wollen wir auch im neuen Modell abbilden und den #2 über verschiedene Ausstattungslinien entsprechend breit aufstellen», sagt Ufer und will so für einen niedrigen Einstiegspreis kämpfen – und dieses Wunschziel verrät er dann doch: im besten Fall knapp unter 20 000 Euro.Passend zum Artikel