Sie ist ein preisgekröntes Wahrzeichen des Münchner Südens. Und die Thalkirchner Brücke löst bei vielen Vorfreude aus, die sie von Westen her kommend passieren; zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto – schließlich führt der Weg über die Isarquerung direkt zum Tierpark Hellabrunn. Doch die Holzkonstruktion, von vielen nur Tierpark-Brücke genannt, ist in die Jahre gekommen und ein echter Sanierungsfall. Voraussichtlich von 2028 an muss die Brücke komplett zwei Jahre lang für den Verkehr gesperrt werden. Anwohnerinnen und Anwohner auf der Westseite der Isar in Thalkirchen fürchten das Chaos – und der Tierpark, dass die Besucher ausbleiben.Dass die Thalkirchner Brücke, die in ihrer gegenwärtigen Form vom Münchner Architekten Richard Johann Dietrich entworfen und im Jahr 1991 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde, ein Sanierungsfall ist, gilt als unumstritten. Einer Statiker-Untersuchung im Auftrag des Baureferats zufolge kann das nahezu 200 Meter lange Bauwerk, auf dem bereits eine Lastbeschränkung von drei Tonnen gilt, noch höchstens zwei Jahre in Betrieb gehalten werden.Fahrzeuge, die mehr als drei Tonnen wiegen, dürfen schon seit geraumer Zeit nicht mehr über die Brücke fahren. Robert HaasGrundsätzlich, so teilt ein Sprecher des Referats mit, hätten Holzbauwerke eine deutlich kürzere Lebensdauer als etwa Konstruktionen aus Stahl oder Beton. Mit ihren mittlerweile 35 Jahren liege die Tierpark-Brücke bereits über der avisierten Lebensdauer von etwa drei Jahrzehnten – und seit etwa zehn Jahren nähmen die Reparaturmaßnahmen stetig zu.Das hat auch die Stadtpolitik längst erkannt. Im Jahr 2023 hat der Bauausschuss des Stadtrats einen Grundsatzbeschluss zum „Koordinierten Bauwerkserhaltungsprogramm Brücken“ gefasst, in dem die Vorbereitung der altersbedingten Sanierung der Tierpark-Brücke enthalten ist. Das Baureferat stieg in der Folge in die Vorplanungen der Erneuerung des Bauwerks ein. Dem Stadtrat, so der Sprecher des Baureferats, werde nun vorgeschlagen, das bestehende Holzfachwerk um ein „mittiges höher tragfähiges Stahlfachwerk zu ergänzen“.Soll heißen: Die filigrane äußere Gestaltung der Thalkirchner Brücke soll so weit wie möglich erhalten bleiben. „Bei gleichzeitiger Verbesserung ihrer verkehrlichen Funktionen“, wie der Sprecher sagt – etwa durch eine Verbreiterung von derzeit etwas mehr als zwölf Metern auf 18 Meter sowie durch die Einrichtung separater Fuß- und Radwege. Einer solchen Verbreiterung, so heißt es aus dem Baureferat, habe die Inhaberin der Urheberrechte, die Tochter des Architekten Dietrich, bereits zugestimmt.Philipp Rothaas betreibt den Kiosk 1917 auf der Westseite der Isar. Die Sperrung der Brücke bezeichnet er als „Vollkatastrophe“. Robert HaasDass die Sanierung unausweichlich sei, sagt auch Philipp Rothaas, der am westlichen Ende der Brücke seit zehn Jahren als Geschäftsführer den Kiosk 1917 betreibt. Tierpark-Besucher schauen vor oder nach dem Besuch in Hellabrunn gerne bei Rothaas vorbei. Auf dem Weg zur Isar, an den Flaucher, versorgen sich viele in dem in Grün gehaltenen Standl noch mit Proviant. „Thalkirchen ist so ein schöner Ort und wir sind so etwas wie das Wohnzimmer des Stadtteils“, sagt Rothaas und lacht. „Unter der Woche kommen so viele Stammgäste, am Wochenende die ganzen Familien, die in den Tierpark wollen.“Auf die Vollsperrung von 2028 an aber blickt Rothaas mit einer Mischung aus leichter Wut und Verwunderung. „Das wird die Vollkatastrophe“, sagt der Kioskbetreiber. „Das ist schon echt ein Problem, wenn die Menschen nicht mehr über die Isar kommen.“ Viele würden etwa in Thalkirchen wohnen, hätten aber Familie oder Freunde auf der anderen Seite im Stadtteil Siebenbrunn, der zum Stadtbezirk Untergiesing-Harlaching gehört.Gemeinsam mit anderen Gewerbetreibenden und Anwohnern, etwa dem Besitzer des nahen Edeka-Marktes, hat sich Rothaas zusammengetan und den Unmut ausformuliert. Mehrere Punkte sind dabei herausgekommen: So kritisiert der Zusammenschluss, dass während der Vollsperrung ein Ausweichen etwa auf den Marienklausensteg oder den Flauchersteg weder für Anwohner noch Besucher des Tierparks, die vor allem mit der U3 über den Halt Thalkirchen kämen, praktikabel sei. Die Schönstraße, die vom Candidplatz zum Tierpark führt und dann zur Hauptverkehrsachse für Besucher werden würde, sei bereits heute überlastet. Die Anwohner in Thalkirchen, heißt es, seien bereits gegenwärtig vor allem im Sommer dem Lärm Feiernder ausgesetzt. Bei einer Vollsperrung der Brücke würden sich die Menschenmassen an der Isar nicht mehr verteilen. „Der Thalkirchner Platz soll kein Brennpunkt werden!“, fordern sie. Und Gastronomen und der Einzelhandel würden Umsatzrückgänge befürchten; dies sei bereits durch die Sperrung der U3 zwischen Implerstraße und Sendlinger Tor zu spüren.Und da ist natürlich noch der Tierpark Hellabrunn. „Dem Tierpark als städtischer Einrichtung entgehen dadurch Einnahmen“, befürchtet die Gruppe um Philipp Rothaas. Wie auch durch die Sperrung der U-Bahn zwischen Implerstraße und Sendlinger Tor wegen der Sanierung der U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz. Auf SZ-Nachfrage will der Tierpark mögliche Rückgänge der Besucherzahlen durch die U-Bahn-Sperrung nicht genau beziffern. Die Situation werde genau beobachtet, teilt eine Sprecherin des Zoos mit. Konkreter wird sie mit Blick auf die Vollsperrung der Thalkirchner Brücke in zwei Jahren, durch die dann „der wichtigste Hauptverkehrsweg“ wegfalle. „Dieser Umstand kann sich auch negativ auf die Besucherzahlen auswirken“, so die Sprecherin.Eine Lösung – zumindest für Fußgänger und Radfahrer – könnte sich allerdings im Münchner Stadtrat anbahnen. In einem gemeinsamen Antrag fordern die Fraktionen von SPD, Grünen und Rosa Liste, FDP/Freie Wähler und CSU, mögliche Interimsmaßnahmen wie etwa eine Behelfsbrücke zu prüfen. Eine Idee, die Kioskbetreiber Rothaas ausdrücklich unterstützt. „Das könnte eine Möglichkeit sein. Die U-Bahn spült so viele Menschen raus – denen muss ein Angebot gemacht werden.“ Kritik übt er aber an der Kommunikation der Stadt; bei derart großen Baustellen müsse die Verwaltung die Anwohner frühzeitig informieren. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern will Rothaas jetzt das Gespräch mit den zuständigen Bezirksausschüssen suchen.Das Baureferat indes dämpft noch Erwartungen an eine mögliche Interimslösung, stellt sich aber auch nicht quer. Der parteiübergreifende Antrag liege zur Prüfung und Beantwortung vor, so ein Sprecher. Einer Beantwortung des Antrags könne das Referat daher nicht vorweggreifen.