Der Eiserne Steg ist voll, vor ihm dreht sich das Riesenrad, und daneben zucken die Lichter der Karussells in den Abendhimmel. 106 Stände und Fahrgeschäfte zählt das Mainfest in diesem Jahr, vom Autoscooter bis zur Kinderachterbahn „Willy der Wurm“. Gefeiert wird am Mainkai, am Fahrtor und auf dem Römerberg. 2025 zog es nach Angaben der Veranstalter mehr als 200.000 Menschen auf das Fest, das schon seit dem Jahr 1340 in Frankfurt gefeiert wird.Am späten Samstagnachmittag ist der Rummel gut besucht. Zwei junge Frauen aus München, beide 18 Jahre alt, sind wegen des Konzerts von The Weeknd angereist. Sie schauen auf den Fluss, während gleich nebenan Menschen auf dem Fahrgeschäft „No Limit“ in einer Höhe von 42 Metern durch die Luft geschleudert werden. „Wir wollten eigentlich nur an den Main und wussten gar nicht, dass hier eine Kirmes ist“, sagt die eine der beiden und ergänzt: „Nichts ist besser als die Wiesn – aber was sollen wir auch sagen: Im Vergleich zum Oktoberfest ist alles langweilig.“ Fernab der Heimat seien ihnen große Menschenmengen manchmal zu viel – und die Imbissstände zu teuer.Klassiker neu aufgezogenWer hungrig über das Fest geht, muss es nicht lange bleiben. 39 Stände bieten neben Klassikern wie Reibekuchen und Kartoffeltwistern auch veganen Lángos ohne Wurst, Süßigkeiten, die als halal beworben werden, und gebrannte Mandeln für Diabetiker. Eine Portion Pommes kann allerdings bis zu zehn Euro kosten. Ein Flammlachs mit Kartoffeln wird für 20 Euro angeboten. Viele lassen es sich schmecken – die wenigsten schrecken die Preise ab.Eine Gruppe junger Männer ist gekommen, um einen Geburtstag zu feiern. „Uns gefällt das große Angebot. Wir wollen Spaß haben“, sagt einer der Sechsundzwanzigjährigen. Man könne auf einem solchen Fest Sachen erleben, die es sonst nirgendwo gebe, sagt er und jubelt, als sein Freund beim Dosenwerfen einen Volltreffer landet. Dann scherzt er: Ein Riesenrad im eigenen Garten ist schwer. „Da flippt die Freundin aus.“ Später wollen die Männer ihr Glück noch beim Bogenschießen versuchen. Die Preise seien ihnen egal, meint einer: „Es ist einfach nur lecker, und Mainfest ist ja nicht jede Woche.“Wie viel sich in den vergangenen Jahren verändert hat, weiß niemand besser als die 62 Jahre alte Chefin in „Roie’s vegetarischer Windmühle“. Sie arbeitet seit 42 Jahren auf Festen wie diesem. Die Windmühle gebe es schon seit 30 Jahren, erzählt sie. Man müsse mit der Zeit gehen. „Früher hat man halt Nudelpfanne gesagt, heute nennt man's Thaipfanne – damit es hipper ist.“Im Vergleich zu damals sei heute vieles anders. „Manche Menschen sind gestresster und haben weniger Geld“, sagt sie. „Alles ist teurer geworden, das merkt man dann doch“, setzt sie hinzu und verweist auf Stromkosten und den Wareneinkauf. Man sei gezwungen, das auf die Besucher umzuwälzen. Andererseits meint die Zweiundsechzigjährige: „Es muss sich aber jeder noch leisten und die schönen Dinge im Leben mitmachen können.“Die Schaustellerin sagt, dieses Leben liege ihr im Blut. Schon ihre Eltern verkauften Mandeln auf dem Rummel, und die Großeltern betrieben ein Kinderkarussell. „Ein Schausteller ist alles in einem: Elektriker, Entertainer, Koch – wir können alles.“ Auf die Frage, ob sie heute etwas anders machen würde, folgt ein klares „Nein“. Es mache ihr noch genau so viel Spaß wie früher. „Ich liebe meine Stammkunden und die Gespräche. Manche bringen mittlerweile ihre Enkelkinder mit.“Die Frage, ob sie nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin auf einem solchen Fest mit vielen Menschen Angst haben, verneinen die Besucher. „Wir als Gesellschaft haben eine große Macht, und Angst ist nie die Lösung“, meint einer der jungen Männer aus der Geburtstagsgruppe. „Man muss auf so Events gehen, um die Schausteller vor Ort zu unterstützen.“Am Montag geht das Fest von 12 bis 24 Uhr in die letzte Runde. Das Finale ist das Feuerwerk um 22 Uhr.
Mainfest Frankfurt 2026: Was geboten wird, und wann das Feuerwerk folgt
Am ersten Augustwochenende feiert Frankfurt das Mainfest. Die Schausteller rechnen mit mehr als 200.000 Besuchern. Ein Rundgang zwischen Nervenkitzel und Nostalgie.







