Caroline Massav kommt hochgeschlossen an den Strand. Langärmeliges schwarzes Shirt mit hohem Kragen, Leggings bis zu den Knöcheln. Nur Gesicht, Hände und Füße liegen bloß. Sonnencreme? Lieber nicht. Sie will gleich ins Wasser, hier an der Westküste von La Réunion, nach den Korallen sehen, die ihre Organisation Corécif aufpäppelt. Und die meisten Sonnencremes schädigen Korallen, wie man inzwischen weiß. Vermutlich selbst solche Produkte, deren Hersteller Produkte als „rifffreundlich“ bezeichnen. „Das ist meist Greenwashing“, sagt die junge Frau, während sie in das Wasser watet zu einem Metallgestell, an dem abgebrochene Korallenstücke mit Kabelbindern fixiert neue Kraft schöpfen und heranwachsen sollen. „Jeder Hersteller behauptet, was er will. Es gibt keine Organisation, die solche ungeschützten Angaben überprüft.“Länder und Regionen mit Korallenriffen waren die ersten, die schon vor Jahren Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern wie Octocrylen, Octinoxat oder Oxybenzon verboten. Forschungen ergaben, dass sie mitverantwortlich sind für die oft tödlich endende Korallenbleiche. Aber auch in Gewässern in Europa, weit entfernt von Karibik, Südsee oder Indischem Ozean, stehen die Stoffe in Verdacht, Fische und Amphibien zu schädigen. Noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht, allerdings nicht ausgeschlossen ist zudem, dass sie sogar im menschlichen Organismus ähnlich wie Hormone wirken. Aus Octocrylen können bei längerer Lagerung krebserregende Benzophenone entstehen.