Es ist früh am Morgen. Die Vögel zwitschern in den großen Bäumen an der Wasserachse in Winzerla, dem grünen Herzen einer Großsiedlung in Jena. Mitten in dieser Fußgängerzone liegt das Stadtteilbüro, der Arbeitsplatz von Silke Wittorek, 58. Auf dem Weg wird sie gegrüßt und muss den einen oder anderen Stopp einlegen, um zuzuhören. Der Alltag ist für einige Bewohner zum Problem geworden. Im Stadtteil hat sich herumgesprochen, dass Silke Wittorek Sorgen und Nöte ernst nimmt und sich kümmert. 2008 hat sie im Stadtteilbüro angefangen, zunächst für ein Jahr zur Probe, dann als Mitarbeiterin im Quartiersmanagement. Immer mehr Aufgaben sind dazugekommen. Sie hat Projekte wie den „Wohnexpress“ mit aufgebaut und ist jetzt der Motor, der ihn am Laufen hält. „Ich sehe hier die Menschen, die kommen und nicht ein noch aus wissen. Ich will helfen, und das ist etwas Schönes für mich“, sagt sie.

Silke Wittorek ist eine Kämpferin. Die eigene Biografie hat sie stark gemacht und über sich hinauswachsen lassen. Aufgewachsen ist sie in Apolda, damals noch die Hauptstadt der Stricker mit zahlreichen Betrieben. Sie wurde Kauffrau im Einzelhandel, später Meisterin, heiratete und bekam zwei Kinder. Dann kam die Wende. Sie wurde Marktleiterin bei Norma und hat sich dann mit einer Gaststätte selbstständig gemacht. Drei Jahre hat sie durchgehalten. Dann wechselte sie als Kauffrau zu Tegut. Ein Herzinfarkt beendete ihre berufliche Laufbahn – wenn es nach der Rentenkasse gegangen wäre – für immer.