Argentinien erlebt einen radikalen wirtschaftlichen Umbau. Eine Reifenfabrik zeigt, wer den Preis für Präsident Javier Mileis Reformen zahlt.
W enn Alejandro Assuma für Uber fährt, beginnt sein Arbeitstag meist erst dann, wenn andere Feierabend haben. Dann schiebt sich der 49-Jährige mit dem Auto durch den dichten Verkehr von Buenos Aires. Motorräder schlängeln sich zwischen den Autos hindurch, Fahrer:innen hupen. Ein Signalton aus seinem Handy kündigt die nächste Fahrt an. Assuma öffnet die Uber-App und tippt auf „Aceptar“. So erzählt er es später. Je größer die Nachfrage, desto besser die Bezahlung. Ein paar Euro bringt ihm die Fahrt umgerechnet ein.
Noch vor wenigen Monaten arbeitete Alejandro Assuma in einer Fabrik. 21 Jahre lang stellte er dort Reifen her. Er arbeitete in der Vulkanisation, dem Produktionsbereich, in dem Autoreifen unter Hitze und Druck ihre endgültige Form erhalten. Assuma bediente diese Pressen, das war harte körperliche Arbeit. Im Sommer stieg die Hitze in der Halle auf mehr als 50 Grad, dazu der Geruch von heißem Gummi. Die Maschinen laut, die Schichten lang. Aber Assuma erinnert sich gern an diese Zeit. „Die Fabrik war wie ein zweites Zuhause“, sagt er.
Die Fabrik gab Assumas Leben einen festen Rhythmus. Sie ermöglichte ihm ein Auto und die Gewissheit, dass am Monatsende ein Gehalt überwiesen wird. Sie machte ihn zum Teil der argentinischen Industriearbeiterschaft, die lange zu den bestbezahlten Beschäftigten des Landes gehörte, mit den stärksten Gewerkschaften. Auch Assuma engagierte sich in der Sutna, der Gewerkschaft der Reifenarbeiter:innen, sie gilt als eine der kämpferischsten Argentiniens.






