Samstagmorgen, 8 Uhr, die A24 Richtung Ostsee: Stoßstange an Stoßstange, aus dem Kindersitz wird gequengelt, das Navi meldet 90 Minuten Verzögerung. Zur selben Zeit schiebt drei Kilometer weiter eine Frau ihr Fahrrad aus der S-Bahn, klickt die Trinkflasche in die Halterung und tritt in die Pedale. In zwanzig Minuten wird sie unter Kiefern rollen, warmen Harzgeruch in der Nase, nichts als das Surren der Reifen auf dem Asphalt. Ihr Urlaub hat bereits begonnen.Während sich die Profis der Tour de France in diesen Tagen die Alpenpässe hinaufquälen, wartet auf Berliner Hobbyradler die deutlich freundlichere Variante: die Tour de Brandenburg. Keine Berge, keine Stürze, keine Dopingkontrolle (hallo, oh, du schönes Hefeweizen!)Und auch die Kulisse kann mithalten: Feldsteinkirchen aus dem Mittelalter, Storchennester auf Scheunendächern und Alleen, deren Kronen sich über der Straße zu grünen Tunneln schließen. Vielleicht gibt es nicht so viele prachtvolle Schlösser, dafür gewinnt das Berliner Umland mit Naturidylle. Wussten Sie zum Beispiel, dass jeder achte deutsche Baum ein Brandenburger ist?

Was Berlin fast allen Metropolen der Welt voraus hat

Kaum eine Großstadt weltweit (!) macht die Fahrradreise so leicht wie Berlin. Direkt hinter der Stadtgrenze beginnt eine der leersten Landschaften Deutschlands: Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind die beiden am dünnsten besiedelten Bundesländer, in den äußeren Regionen Brandenburgs leben teils weniger als 25 Menschen pro Quadratkilometer. 15 Großschutzgebiete, darunter der Nationalpark Unteres Odertal und die Unesco-Biosphärenreservate Schorfheide-Chorin und Spreewald, bedecken rund ein Drittel der Landesfläche.Dazu kommen 3087 Seen. Und dahinter warten die Ostsee, die Mecklenburgische Seenplatte, die Elbauen Sachsen-Anhalts. Wer in London, Paris oder Madrid wohnt, fährt Stunden, bis die Zersiedelung endet. Wer in Berlin wohnt, fährt mit der S-Bahn an den Stadtrand.