»Die ›cozyness‹ entpuppt sich als Illusion«: Die Literatur-Professorin
Christine Lötscher von der Universität Zürich über Regionalkrimis.
ZEIT Verbrechen: Liebe Frau Lötscher, warum lesen wir eigentlich so gern Kriminalromane?
Christine Lötscher: Wir genießen den Horror, wir genießen unsere Ängste. Es ist ein ganz spezifischer Genuss, weil wir auf der einen Seite einen Riss in der Realität, einen Abgrund im Alltäglichen erfahren: die nette, etwas tüddelige alte Dame aus der Nachbarschaft, die zur Mörderin wird. Auf der anderen Seite wissen wir, dass jetzt jemand kommen wird, eine Ermittlerfigur, die das aufklären kann. Im 19. Jahrhundert waren das Figuren wie Sherlock Holmes, die die Ordnung wiederherstellen, die Welt wieder heil machen konnten. Heute können Ermittler uns immerhin dabei begleiten, die komplexer gewordene Realität zu verstehen. Wichtig ist außerdem, dass wir mit den Figuren mitfiebern und mitermitteln können. Das funktioniert besonders gut im Regionalkrimi.






