An diesem Abend hätte selbst der Verband der Familienunternehmer neidisch werden können. Ausgerechnet Nike Wagner, die bisweilen als etwas verkopft geltende Urenkelin des Komponisten Richard Wagner, hielt zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele eine wehmütige Lobrede auf ebendieses in intellektuellen Kreisen oft verschmähte Genre: das Familienunternehmen. Wehmütig deshalb, weil es in Bayreuth damit künftig vorbei sein wird.Dabei haben die Festspiele alles, was einen traditionellen Familienbetrieb ausmacht. Es gab Zwist unter den Verwandten, rührselige Versöhnungen, ständige Geldsorgen – und am Schluss einen Mangel an geeigneten Nachfolgern.Ökonomisch standen die Festspiele schon auf wackeligem Grund, als der Komponist sie 1876 zum ersten Mal veranstaltete. Schon den Bau des Theaters hatte nur ein Privatkredit des bayerischen Königs Ludwig II. ermöglicht, und nach den Vorstellungen blieb ein hohes Defizit zurück. Immerhin: Die Nachfrage des Publikums blieb hoch, schon weil die Wagners an ihren Alleinstellungsmerkmalen arbeiteten: nur die Werke des Meisters selbst, nur 30 Vorstellungen im Jahr, was das Kartenangebot auf 60.000 Tickets für alle Wagner-Fans auf der ganzen Welt verknappt.