Trillerpfeifen schrillen, rote Verdi-Fahnen wehen vor der Bühne. Als Gregor Gysi das Mikrofon ergreift, richten sich zahlreiche Handys auf den Linke-Politiker. Immer wieder brandet Applaus auf, als der 78-Jährige die großen Handelskonzerne und die Bundesregierung attackiert. „Die Eigentümer der Ketten sind die reichsten Deutschen. Diesen Reichtum schafft ihr“, ruft Gysi den Beschäftigten auf der Verdi-Kundgebung am Freitag auf dem Berliner Wittenbergplatz zu.
Die Forderung der Gewerkschaft nach sieben Prozent mehr Lohn und mindestens 222 Euro monatlich sei „eher bescheiden“, meint Gysi. Sein Appell an die Streikenden: „Lasst euch da nicht runterhandeln.“ Mit rund 230.000 Beschäftigten im Einzelhandel und 53.000 Beschäftigten im Großhandel gehört der Handel schließlich zu den größten Branchen in Berlin und Brandenburg.
Hintergrund der Kundgebung ist der festgefahrene Tarifstreit im Berliner und Brandenburger Einzel- und Großhandel. Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 222 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Bis einschließlich Samstag sind Beschäftigte erneut zum Warnstreik aufgerufen.
Generalabrechnung mit der Bundesregierung
Mit seiner Rede bleibt Gysi jedoch nicht beim Tarifkonflikt stehen. „Der Sozialstaat wird Schritt für Schritt kaputt gemacht“, ruft er den Beschäftigten zu. Die Bundesregierung schaue „nur nach unten“, statt „oben Gerechtigkeit herzustellen“. Arbeitgeberverbänden wirft er vor, zu viel Einfluss auf die Politik zu haben: „Sie lassen sich sogar von Arbeitgeberorganisationen Gesetzesentwürfe vollständig schreiben.“ Unter Applaus fordert Gysi eine stärkere Besteuerung großer Vermögen: „Sie haben nicht den geringsten Mut, oben Gerechtigkeit herzustellen.“







