Eigentlich ging es gut los am Morgen des laut Prognosen heißesten Tages der aktuellen Hitzewelle. Man wusste ja, dass das schon wieder ansteht und sah sich einigermaßen gewappnet, man hatte ja einiges aus der Hitzewelle von vor ein paar Wochen gelernt. Zum Beispiel, dass Hitzewellen grauenhaft sind. Aber gut, zurück zunächst zu dem Punkt vor der Kapitulation.Nach allen Regeln der Kunst wurde in den noch sehr frühen Morgenstunden eine Lüftung durchgeführt, Luftkorridore wurden von Dachfenster zu Dachfenster gebildet. Aber nicht zu lange! Denn auf die eine Hausseite knallte schon morgens die Sonne, da fällt der Luftaustausch der Abdunkelung zum Opfer. Geholfen hat es trotzdem. Dann wurde allen ein Steckerleis zum Frühstück gereicht. Erfrischend. Besser wurde es an jenem Tag nicht mehr, das schon vorweg. Weiter ging es mit Reptilien.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Auf dem Weg zu Schule oder Kindergarten begegnet man jetzt nämlich nicht mehr Eichhörnchen oder Spatzen, sondern Eidechsen. Das wäre an sich kein Problem, erinnern die Tierchen einen doch gleich an die schönen Sommerurlaube in der Türkei oder in Italien. Da ist man aber gleich ins Meer gehüpft. Hier ging es nach der Eidechsen-Sichtung sofort zurück an den Schreibtisch. Immerhin im Keller, da ist es generell während Hitzewellen nur warm.Die Arbeit ging trotzdem nur zäh von der Hand, weil man einen Wort-Ohrwurm hatte: Bitumen.Das ist eine schwarze Füllung zwischen Straßenasphalt und Trambahngleisen, die in Nürnberg bei der vergangenen Hitzewelle für einen wochenlangen Totalausfall gesorgt hatte. Sie ist nämlich geschmolzen, hat sich anschließend überall verteilt und die Gleise verstopft.Während man also die zwölfte Schicht Sonnencreme aufspachtelte, dachte man an mit Bitumen verklebte Schienen. Im Bus geriet man versehentlich an die schweißnasse Schulter eines Fahrgastes: Bitumen! Der Kaugummi, den man immer in der Vordertasche des Rucksacks aufbewahrte, hatte sich unumkehrbar mit dem Leder vereinigt – wie Bitumen!Korrektur zu oben erwähnter These: Die Arbeit ging nicht zäh von der Hand, weil man ständig an geschmolzenes Bitumen dachte. Vielmehr hatte das Gehirn selbst die Konsistenz von Nürnberger Tramschienen-Füllstoff bei 40 Grad angenommen.Für etwas reichte die Gehirnleistung am Nachmittag dann aber noch: einen Ausraster. Man kam nach einem schweißtreibenden Gang zum Supermarkt nach Hause in Erwartung eines kühlen Hauses. Man spürte es schon im Flur. Einen Backofenwind. Jemand hatte doch allen Ernstes vor Sonnenuntergang die Terrassentür geöffnet. „Hast du geschmolzenes Bitumen im Kopf?!“