Nach Aufsichtsratschef Jens Weidmann (58) gesteht auch Commerzbank-CEO Bettina Orlopp (56) ihre Niederlage im Kampf gegen die Übernahme durch die UniCredit ein. In einem bankintern verbreiteten Interview, über das das „Handelsblatt“ zuerst berichtete, akzeptiert sie die baldige Führungsrolle der Italiener, die bereits Zugriff auf fast die Hälfte der Commerzbank-Aktien haben.„Über ​die kommenden Wochen und Monate werden Commerzbank und UniCredit Gespräche ‌führen, um Schritt für Schritt festzulegen, wie wir weitermachen“, sagte Orlopp. „Es braucht zwischen unseren Häusern einen konstruktiven Dialog für einen wertschaffenden Weg nach vorn. Dazu gehört ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder“, so die Chefin der zweitgrößten Privatbank Deutschlands.

Orlopp verweist auf Stärke der CommerzbankTrotz allem zeigt sich Orlopp weiter kämpferisch: Man komme mit der stärksten Commerzbank der Geschichte an den Tisch und habe breiten Rückhalt bei Aufsichtsrat, Bundesregierung und Arbeitnehmern. Auch bei einer Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung könne die UniCredit nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen entscheiden.

Die UniCredit hatte mit einem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die UniCredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken.UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) hatte ‌angekündigt, mit der Bundesregierung ​und dem ‌Betriebsrat über eine gemeinsame Zukunft seines Hauses ‌mit ​der Commerzbank zu sprechen. Den Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp hatte der Italiener ​nicht als ⁠Gesprächspartner erwähnt. Nach Einschätzung des Italieners könnte die Genehmigung für die Übernahme durch die Europäische Zentralbank bereits im vierten Quartal dieses Jahres vorliegen.