Das Vorgehen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Neubesetzung von Spitzenämtern in der Bundesregierung sieht eine Mehrheit der Wahlberechtigten einer Umfrage zufolge kritisch. 57 Prozent finden, dass Merz seine Sache bei dem Personalwechsel eher schlecht gemacht hat, wie aus dem aktuellen „Politbarometer“ von ZDF und Tagesspiegel hervorgeht.Rund ein Fünftel (21 Prozent) urteilt eher positiv. Auch unter Anhängern von CDU/CSU überwiegt mit 43 Prozent leicht die Kritik (eher gut: 39 Prozent).Dass die Arbeit der Bundesregierung durch die personellen Veränderungen eher besser wird, glauben nur 17 Prozent der Befragten. 13 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus, die Mehrheit (61 Prozent) erwartet keine großen Auswirkungen. Gleichzeitig sieht eine Mehrheit der Befragten (55 Prozent) eine Neubesetzung einiger Spitzenämter in der Regierung grundsätzlich positiv. 31 Prozent halten eine Neubesetzung für schlecht.Merz hatte den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) für einen größeren Umbau in Fraktion, Regierung und Partei genutzt. Es dauerte aber elf Tage, bis er mit der Ernennung neuer Minister den größten Teil am Mittwoch abschließen konnte. Vor allem der Austausch von Verkehrsminister Patrick Schnieder befeuerte Unmut in Merz’ eigener Partei.Generell ist der Umfrage zufolge eine Mehrheit mit der Arbeit der Bundesregierung und des Bundeskanzlers unzufrieden. 68 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Regierung ihre Arbeit eher schlecht macht (eher gut: 28 Prozent). 70 Prozent bezeichnen die Leistungen von Kanzler Merz als eher schlecht (eher gut: 26 Prozent). Kritik auch an mangelndem Hitzeschutz Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält auch den Schutz vor großer Hitze für unzureichend. Im „Politbarometer“ stimmten 83 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass hierzulande nicht genug getan werde – bei der Begrünung, Trinkbrunnen, kühlen öffentlichen Räumen und baulichen Maßnahmen gebe es noch Verbesserungsbedarf. Nur 13 Prozent halten die derzeitigen Vorkehrungen für ausreichend.Politische Überzeugungen sind dabei nachrangig: Unter den Anhängern aller Parteien gibt es der Umfrage zufolge klare Mehrheiten, die den Hitzeschutz für unzureichend halten. 83 Prozent der Befragten sind der Ansicht, es fehle an ausreichenden Maßnahmen für den Hitzeschutz. © dpa/Patrick Pleul Rund drei Viertel der Befragten (74 Prozent) machen sich zudem Sorgen, dass es in den nächsten Jahren viel häufiger zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, großer Trockenheit und Hochwasser kommen könnte. Ein Viertel (25 Prozent) teilt diese Befürchtung nicht. AfD in Sonntagsfrage vor Union Die AfD liegt in der „Politbarometer“-Projektion weiter vorn. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme sie auf 28 Prozent (plus 1). Dahinter läge die Union bei unverändert 23 Prozent. Die SPD bliebe bei 12 Prozent. Grüne und Linke verlören je einen Prozentpunkt und lägen bei 13 beziehungsweise 12 Prozent. Die FDP bekäme unverändert 4 Prozent. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent (plus 1). Die aktuelle schwarz-rote Koalition hätte damit keine Mehrheit.Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.Für das „Politbarometer“ hat die Forschungsgruppe Wahlen vom 28. bis 30. Juli 1405 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch und online befragt. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ. (dpa)