Wenn ein trockener Sommer den Pegel weit genug drückt, tauchen im Flussbett der Elbe zwischen Děčín und Pirna Blöcke auf, die den größten Teil des Jahres unter Wasser verborgen liegen. Diese Hungersteine tragen Jahreszahlen, Buchstaben und ganze Sätze, sauber in Sandstein oder Basalt geschlagen. Sie sind keine Zufallsfindlinge, sondern gezielt bearbeitete Marken. Ihr Zweck: festzuhalten, wie tief der Fluss in früheren Trockenjahren gefallen ist.
Damit funktionieren die Hungersteine der Elbe wie ein Spiegelbild der Hochwassermarken an Hauswänden – nur dokumentieren sie nicht die Höchststände, sondern die Tiefstände. Sichtbar werden sie ausgerechnet dann, wenn sich die Not wiederholt, die zu ihrer Beschriftung geführt hat.
Warum die Steine „Hungersteine“ heißen
Der Name verweist auf die Folgen extremer Trockenheit. Ein niedriger Wasserstand bedeutete in der frühen Neuzeit stockende Schifffahrt, ausbleibende Warenlieferungen und stillstehende Mühlen.
Dazu kamen vertrocknete Felder und steigende Getreidepreise. Trockenheit und Hunger hingen unmittelbar zusammen – und die Steine im Flussbett waren die sichtbarste Erinnerung daran.








