Der Nebel liegt noch in der Senke, als man von der B 167 abbiegt, irgendwo zwischen Altfriedland und Karlsdorf im Oderland. Und dann steht sie da: ein Stamm wie ein Silo, borkig, geborsten, mehr als sieben Meter Umfang. Über sieben Meter – dafür braucht man vier Erwachsene mit ausgestreckten Armen und ein bisschen guten Willen.

Auf Karten und in Baumregistern heißt sie Franzoseneiche. Oder Napoleoneiche. Und die Geschichte dazu erzählt man sich in der Region seit Generationen: Hier habe der Kaiser 1812 auf dem Weg nach Russland geruht.

Nur: Er hat es nicht.

Ein Name ist kein Beweis

Die zuständige Amtsverwaltung Seelow-Land ist in dieser Frage ungewöhnlich deutlich. Napoleon habe unter diesem Baum „mit Sicherheit“ nicht geruht – und selbst ein Aufenthalt französischer Offiziere oder gewöhnlicher Soldaten an dieser Stelle sei nicht belegt. Ein Amt, das die eigene Sehenswürdigkeit demontiert: Das hat Größe.