Apple wird von einer Nachfrage-Welle überrollt, in allen Weltregionen boomt es. Doch auf den neuen CEO warten bereits ProblemeFür Apple könnte es zurzeit nicht besser laufen - auch, weil der Konzern sich nicht vorwerfen lassen muss, Hunderte Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren zu verschwenden. Doch für Tim Cooks Nachfolger könnte der globale Mangel an Speicherchips zum echten Problem werden.31.07.2026, 03.28 Uhr4 LeseminutenTim Cook scheidet Ende August als Apples CEO aus.Carlos Barria / REUTERSNach 15 Jahren an der Spitze des Konzerns hat Apples CEO Tim Cook am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) ein letztes Mal die Quartalszahlen des Konzerns vorgestellt. Sie hätten kaum besser ausfallen können: Der Umsatz lag mit knapp 109,4 Milliarden Dollar so hoch wie nie zuvor im Zeitraum April bis Juni und stolze 16 Prozent höher als im Vorjahr. Der Gewinn stieg um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In allen Weltregionen verzeichnete der iPhone-Konzern neue Umsatzrekorde, auch in China, dem grössten Smartphone-Markt der Welt.Cook, 65, hinterlässt seinem Nachfolger John Ternus, 51, einen Konzern mit einer Gewinnmarge von 50,2 Prozent. Zurzeit ist Apple zudem das wertvollste Unternehmen der Welt (knapp vor Nvidia). Am Mittwoch hatte es erstmals in seiner Geschichte die Marktbewertung von fünf Billionen Dollar geknackt, wenn auch nur vorübergehend. Nach Nvidia ist Apple erst die zweite Firma überhaupt, die diese Bewertung erreicht hat.Lieferengpass bei Logikchips wird zum ProblemWie so häufig erklärt sich der Erfolg bei Apple mit dem iPhone: Mit einem Jahreswachstum von 22 Prozent ist das Gerät nach wie vor die Zuglok des Konzerns, auch in seiner Version 17. Doch auch die Produktreihe der Macs boomt: im Jahresvergleich wuchs diese um 29 Prozent. Bestimmte Mac-Rechner sind zurzeit besonders populär, weil Nutzer mit ihnen gut ihre eigene KI-Infrastruktur bauen und Modelle lokal laufen lassen können.Doch Apple ist zurzeit auch Opfer seines eigenen Erfolgs. Durch den KI-Boom und insbesondere den Ausbau der KI-Rechenzentren mangelt es weltweit an Speicherchips. Für Apple kommt erschwerend ein zweites Problem hinzu: Man hatte sich nicht auf einen derartigen Ansturm der Konsumenten eingestellt. Man sei auf eine hohe Nachfrage nach den neuen iPhones und Macbooks vorbereitet gewesen, sagte Cook - aber nicht auf eine so hohe. Konkret liegt die Herausforderung darin, genügend Logikchips (Prozessoren) zu beschaffen, die von TSMC gefertigt werden.Im Kern handle es sich um ein Prognoseproblem, sagte Cook: Apple hatte bestimmte Mengen an Speicherchips von seinen Zulieferern vorbestellt - rückblickend zu wenig. Die Bestellungen nach oben zu korrigieren, sei im derzeitigen Marktumfeld enorm schwierig, sagte Cook. Man habe bereits auf Teile der Reserven für das kommende Quartal zugegriffen, doch das lasse sich nicht lange aufrechterhalten. «Das kommende Quartal wird durch Lieferengpässe geprägt werden», sagt Cook. «In gewisser Weise ist es ein grossartiges Problem.»Auch der Wechselkurs dürfte sich gegenüber dem Vorjahresquartal schlechter entwickeln und gemäss dem Finanzchef Kevan Parekh fünf Prozentpunkte an Wachstum kosten. Aufgrund dieser Prognosen fielen die Apple-Aktien im nachbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent.Offen ist noch, ob auch die jüngst angekündigten Preiserhöhungen bei mehreren Apple-Produkten die Nachfrage der Kunden dämpfen werden. Apple rechtfertigte diese mit einem weltweiten Mangel an Speicher- und Datenspeicherchips. In der Schweiz dürfte das iPhone somit 150 bis 200 Franken teurer werden, schätzen Experten. Ob die Kunden auch dann noch so begeistert Apple-Produkte kaufen werden, bleibt abzuwarten: Noch sei es zu früh um das abzuschätzen, sagte Cook.Investoren begrüssen, dass Apple kein «Hyperscaler» istFür Apple zahlt sich zurzeit auch das aus, was es nicht macht: nämlich nicht wie andere Tech-Konzerne Vermögen in den Ausbau von KI-Infrastruktur zu stecken. Während Amazon, Meta, Alphabet und Microsoft als sogenannte «Hyperscaler» jeweils Hunderte Milliarden von Dollar in neue KI-Rechenzentren investieren, hält Apple seine Kapitalausgaben stabil. Statt KI-Modelle selbst zu entwickeln, kauft der iPhone-Konzern diese bei Konkurrenten wie Google ein.Das danken zurzeit auch die Investoren: Während die Kurse von «Hyperscalern» zuletzt nachgegeben haben, haben Apples Papiere zugelegt.Auch andere kapitalintensive Vorstösse, etwa im Bereich autonomes Fahren, hat Apple eingestellt. Stattdessen konzentriert sich der Konzern auf sein Kerngeschäft: Angeblich könnte im September ein faltbares iPhone vorgestellt werden und in den nächsten Jahren eine smarte Brille.John Ternus übernimmt die Firmengeschäfte bei Apple am 1. September.X80001Im Herbst nun will Apple endlich die bereits 2024 versprochene, generalüberholte Version seines Sprachassistenten Siri vorstellen. Diese kann auch auf die KI-Modelle von Google zugreifen. Sollte es Apple tatsächlich gelingen, die Kunden mit einem solchen KI-Assistenten zufrieden zu stellen, wäre dem Konzern ein Kunststück gelungen: Er könnte den Vorwurf abschütteln, die KI-Revolution völlig verschlafen zu haben, und hätte riskante milliardenschwere KI-Investitionen vermieden. «Es gibt so viele Möglichkeiten für uns bei allem, was in diesem Bereich passiert», sagte Ternus am Mittwoch, als ihn ein Investor nach seinen KI-Plänen fragte.Die KI-Revolution, der Mangel an Speicherchips – Ternus erbt nicht nur einen Konzern in voller Blüte, sondern auch grosse Herausforderungen. Doch er könne sich «keine bessere Person vorstellen, um das Ruder zu übernehmen», versicherte Cook den Investoren in einem letzten Versuch, Apple so gut es geht darzustellen.Passend zum Artikel