PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungKonjunkturDeutschlands hart erkämpftes Mini-WachstumStand: 16:40 UhrLesedauer: 3 MinutenWELT-Chefökonomin Dorothea SiemsQuelle: Claudius Pflug/WELTTrotz des anhaltenden Irankriegs ist der prophezeite Konjunktureinbruch ausgeblieben. Volle Auftragsbücher und ein Gründerboom wecken die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch eine Sorge trübt das Bild.Diesmal haben die Pessimisten nicht recht behalten. Als im Frühjahr der Krieg im Iran ausbrach, die Energieversorgung stockte und die Inflation hochschnellte, sahen viele Auguren Deutschland erneut in die Rezession abgleiten. Doch die Wirtschaft erweist sich in diesen stürmischen Zeiten als erstaunlich widerstandsfähig.Im zweiten Quartal reichte es trotz hoher Energiepreise und Lieferengpässe für ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Und die Chancen steigen, dass die Konjunktur weiter Fahrt aufnimmt. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex signalisieren eine bessere Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen. Denn die Auftragsbücher haben sich gefüllt, und die Exporte ziehen wieder an.Die aktuellen Daten der Statistiker spiegeln die von umtriebigen Mittelständlern und Managern hart erkämpften Erfolge wider, die nach sieben Jahren Flaute Hoffnung machen, dass man die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch nicht abschreiben muss. Zumal im ersten Halbjahr mit mehr als 3000 Start-ups ein historischer Gründungsrekord erreicht wurde. Wo Unternehmertum und Risikokapital auf den deutschen Standort setzen, ergeben sich Chancen, dass sich einige dieser Firmen zu den neuen Innovatoren mausern, die Deutschland so dringend benötigt.Lesen Sie auchLiegt der Bundeskanzler also richtig, wenn er das Land – auch dank der von der Koalition angestoßenen Reformen – auf einem guten Weg sieht? Das Glas sei halbvoll, sagte Friedrich Merz jüngst im Bundestag. In der Bevölkerung herrscht indes eine andere Sicht vor. Gut drei Viertel der Deutschen sind in Sorge um den Wirtschaftsstandort, ergab der Juli-Deutschlandtrend von Infratest dimap. Damit ist der Anteil der Pessimisten seit dem vergangenen Herbst nochmals gestiegen. Lesen Sie auchEbenfalls zugenommen haben seither auch die Ängste der Beschäftigten. Fast jeder vierte Erwerbstätige fürchtet inzwischen um seinen Job. Dass die aktuellen Konjunkturdaten die Stimmung der Bürger aufhellen, ist unwahrscheinlich. Wähler interessieren sich selten für die Statistik. Nachhaltigen Eindruck hinterlassen dagegen die Nachrichten von Schrumpfkuren und Massenentlassungen bei Automobilkonzernen und anderen deutschen Industriegiganten.Einen bequemen Weg gibt es nichtHinzu kommt die Angst vor Inflation, die hierzulande traditionell besonders ausgeprägt ist. Die Sorge vor der Geldentwertung ist aktuell leider begründet. Der Preisauftrieb hat sich im Juli auf 2,8 Prozent beschleunigt. Denn der Tankrabatt lief Anfang des Monats aus, den die Koalitionäre den Autofahrern zwei Monate lang gewährt hatten, um die Folgen des Irankriegs abzufedern. Je länger der Konflikt im Nahen Osten anhält, desto stärker und nachhaltiger wird der inflationstreibende Effekt sein.Doch angesichts der enormen Verschuldung sollte sich der Bund hüten, nochmals Milliardensummen für eine kurzfristige Entlastung zu verpulvern. Die Merz-Regierung muss auf dem vor der Sommerpause eingeschlagenen Reformkurs bleiben – auch wenn das die Mehrheit der Bürger nicht goutiert. Einen bequemen Weg zurück auf einen höheren Wachstumspfad gibt es nicht.
Konjunktur: Deutschlands hart erkämpftes Mini-Wachstum - WELT
Trotz des anhaltenden Irankriegs ist der prophezeite Konjunktureinbruch ausgeblieben. Volle Auftragsbücher und ein Gründerboom wecken die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch eine Sorge trübt das Bild.














