Lange Zeit schien die Richtung klar: Wer jung war, zog fort. In die Metropolen, nach Berlin, Hamburg, München oder ins Ausland. Besonders in den Jahren nach der Wiedervereinigung verließen viele Menschen Ostdeutschland, für die Arbeit, eine Ausbildung, oder um zu studieren. Ein Grund: Arbeitsplätze verschwanden, Ausbildungsplätze waren knapp, ganze Jahrgänge suchten ihre Zukunft anderswo.

Viele Regionen zwischen Altmark, Lausitz, Vorpommern und Nordthüringen verloren Einwohner, vor allem junge Erwachsene. Schulen wurden zusammengelegt, Häuser standen leer, ganze Dörfer verwaisten. Die Geschichte vieler Orte war über Jahrzehnte vor allem eine Geschichte des Wegzugs.

Mehr Menschen verlassen Großstädte

Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit ist dieses Bild differenzierter geworden. Von einer großen Rückkehrbewegung kann zwar keine Rede sein. Auch heute ziehen junge Menschen aus Ostdeutschland für Studium und Beruf in westdeutsche Länder oder Großstädte. Doch die Abwanderung ist längst nicht mehr so prägend wie in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. In einzelnen Regionen gibt es inzwischen Zuzug – besonders im Umfeld großer Städte, teils aber auch in ländlichen Räumen.

Das Dorf, das einst als Symbol des Wegzugs galt, wird für manche wieder zur Alternative. Dabei geht es nicht allein um Menschen, die in ihre alte Heimat zurückkehren. Es ziehen auch Familien, Paare und Berufstätige zu, die bislang keinen Bezug zu der Region hatten. Rückkehrer sind eine wichtige Gruppe unter ihnen, aber nicht die einzige.