Peter Olausson ist ein Wikinger, zumindest im Herzen. Er ist seit 1993 ehrenamtlicher Vorsitzender von „Vikingaleden“. Der Verein besitzt die Glad av Gillberga, ein waschechtes Wikingerschiff, also fast: eine Replika basierend auf einem Kriegsschiff von 1040 aus dem dänischen Roskilde-Fjord. Die schwedischen Wikinger verliehen ihr Herzstück an Hollywood: Es schippert als Requisite durch Christopher Nolans „Odyssee“. Von den Dreharbeiten kam es allerdings kaputt zurück – und das Filmstudio Universal wollte zunächst nicht für die Reparaturkosten aufkommen. Das hat sich jetzt zum Glück geändert. Zeit für ein Telefonat.SZ: Herr Olausson, haben Sie „Die Odyssee“ schon gesehen?Ja. Hat mir gut gefallen. War trotz der drei Stunden sehr spannend.Haben Sie Ihr Schiff im Film entdecken können?Nun, es spielt keine Hauptrolle, aber ja: Ich habe unser Schiff etwa zehnmal kurz gesehen. Odysseus ist auf einem deutlich größeren unterwegs, unseres ist eines der Flottillenschiffe, die mit ihm segeln. Es war schon ziemlich aufregend, das eigene Schiff auf der großen Leinwand zu sehen. Ich habe damals gemeinsam mit Experten den Bau geplant und geleitet. Und da Sie ja von einer deutschen Zeitung sind …„Es war schon ziemlich aufregend, das eigene Schiff auf der großen Leinwand zu sehen“: Peter Olausson vom Verein Vikingaleden. Öivind LundJa?Unsere Holzbildhauerin, die den Drachenkopf gefertigt hat, kam auch aus Deutschland.Wie passt denn ein Wikingerschiff in eine griechische Sage? Da liegen ja Tausende Jahre und wohl auch einige ästhetische Unterschiede dazwischen, oder?Ich frage mich auch, warum sie keine Nachbildungen aus Griechenland oder Italien verwendet haben. Es scheint aber, dass fast alle Schiffe im Film aus nordischen Ländern stammen. Sie wurden nur leicht angepasst, ein bisschen Farbe und Details, damit sie griechisch-bronzezeitlich wirken.Warum besitzt Ihr Verein ein eigenes Wikingerschiff und was machen Sie damit, wenn es nicht in einem Film zu sehen ist?Es gibt viele Vereine wie unseren in den nordischen Ländern, aber nur wenige besitzen ein Schiff. Ich schätze, es gibt insgesamt etwa 40 Wikinger-Nachbauten in Schweden, Dänemark und Norwegen. Deshalb genießt unser Schiff in der Wikinger-Szene einen guten Ruf. Es wurde 1998 nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt, und seit fast 30 Jahren machen wir damit Rudertouren und Segeltörns. Unser größtes Abenteuer war eine Einladung nach Kanada. Dort segelten wir zum tausendjährigen Jubiläum der Ankunft der nordischen Völker an der nordamerikanischen Küste in Neufundland in einer kleinen Flottille.Die „Glad av Gillberga“ unterwegs in Kanada. Gunnar BäckströmUnd wie viel ist so ein Wikingerschiff wert?Nun, schwer zu sagen. Es gibt ja keinen öffentlichen Markt für Wikingerschiffe. Der Bau hat uns damals etwa drei Millionen schwedische Kronen (circa 270 000 Euro, Anm. d. Red.) gekostet.Wie haben Sie das finanziert?Durch die Unterstützung unserer Mitglieder, durch viele Helfer, durch Spenden, von der Kirche und Unternehmen. Die Wikingerkultur ist hier noch stark vertreten. Überall um uns herum gibt es Grabhügel und andere Überreste aus dieser Zeit. Unser Tal wird sogar „Wikingerpfad“ genannt. Dort gründeten wir 1993 unseren Verein, der inzwischen rund 200 Mitglieder hat. Es gibt ein kleines Museum und ein Wikingerdorf mit 15 Häusern. Dort lassen wir die Wikingerzeit lebendig werden, mit Märkten, Spielen, Kämpfen, Bogenschießen und Axtwerfen. Es kommen viele Besucher.Und wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Hollywoodstudio Universal für „Die Odyssee“?Ein Mitarbeiter war in den skandinavischen Ländern unterwegs und suchte nach passenden Schiffen. Er schaute sich unsere Glad av Gillberga kurz an, und schnell war klar: Das passt. Danach gab es natürlich einiges an Schriftverkehr, bis alles organisiert war. Schließlich brachten sie es von uns bis ans Mittelmeer.Hollywood:Dieser Film ist ein Hit – zum Glück„Die Odyssee“ legt einen sensationellen Start hin und spielt am ersten Wochenende weltweit mehr als 264 Millionen Dollar ein. Warum das auch Kinogänger freuen kann, denen der Film völlig egal ist.Und nach den Dreharbeiten erhielten Sie das Schiff beschädigt zurück. Was ist passiert?Es sind nur kleinere Schäden, vor allem Transportschäden und Abnutzungen durch den Einsatz beim Segeln. Der Hauptschaden betraf ein Loch im Rumpf, dazu kamen noch kosmetische Mängel wie Lackierungen. Wir wussten von Anfang an, dass es zu Schäden kommen könnte, wenn das Schiff ein halbes Jahr lang im Einsatz ist. Aber wir hatten auch vorab eine Vereinbarung, dass Universal uns eventuelle Reparaturen bezahlen würde.Ist so etwas schon einmal vorgekommen?Bei unserem Schiff bisher nicht, ich habe es aber schon von anderen gehört. Die Schiffe sind fürs Wasser gebaut, werden aber bei langen Strecken über Land transportiert, dadurch ist das Risiko für Schäden einfach höher. Das kommt schon mal vor.Es ist beinahe lustig, dass eine Produktionsfirma, die 250 Millionen Dollar für einen Film ausgegeben hat, über ein halbes Jahr braucht, um Reparaturkosten von 6000 Dollar zu bezahlen.Es geht natürlich nicht ums Geld. Also für uns schon, aber nicht für Universal, wahrscheinlich ein Kommunikations-Wirrwarr. Frustrierend. Wir waren vorher in einem guten Austausch, aber nachdem ich die Rechnung stellte, kam monatelang keine Rückmeldung, also habe ich mich damit an die Presse gewandt. Und jetzt haben wir das Geld bekommen. Es ist heute angekommen.Glückwunsch! Dürfen Sie sagen, wie viel Geld Sie von Universal für die Leihgabe des Bootes erhalten haben?Nun, vielleicht sollte ich das lieber nicht. Wir sind damit zufrieden.
"Die Odyssee" und das kaputte Wikingerschiff: Zahlt Hollywood die Rechnung?
Bei Christopher Nolans „Odyssee“ durfte ein schwedisches Wikingerschiff als Requisite ans Set. Leider kam es kaputt zurück. Und dann?












