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In der Ukraine stehen Armeechefs für mehr als militärische Erfolge und Niederlagen. Sie sind Projektionsfläche für die Hoffnungen und Ängste, die eine Gesellschaft im Krieg hat. Mychajlo Drapatyj ist erst seit gut einer Woche Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, und schon jetzt richten sich an ihn unzählige Hoffnungen und Erwartungen.
Dabei ist über den 43-Jährigen, der im fünften Kriegsjahr die ukrainische Armee befehligen wird, viel weniger bekannt als über seine Vorgänger. Über sein Privatleben weiß man so gut wie nichts, Drapatyj meidet die Öffentlichkeit. Interviews gibt er selten. Im Mai 2023 sprach er eine Stunde lang mit einer Journalistin des Onlinemediums Ukraïner, die eine Dokumentation über seine 72. Selbstständige mechanisierte Brigade drehte. Das Interview wurde erst jetzt, gut drei Jahre nach der Aufzeichnung, in ganzer Länge veröffentlicht. Drapatyj wirkt darin erschöpft, aber er antwortet in klaren und verständlichen Sätzen, nicht in der verklausulierten Sprache, die typisch ist für viele ältere Generäle.









