Deutschland spricht. Ach, wirklich? Hatten Sie bislang auch den Eindruck, dass eher alles etikettiert wurde? Zumindest in den letzten zehn Jahren? Und war es nicht vor allem ein links-grünes Milieu, das seit 2015 sofort das Empörtengesicht aufsetzte, wenn kritische Fragen zu Migration und Integration, innerer Sicherheit oder sonst etwas kamen? „Wie kannst du so etwas fragen, wie kannst du so etwas denken, was bist du nur für ein Mensch?“, schwang im Subtext des Empörtengesichts immer mit, das den Fragensteller dann mindestens als Rechten oder – ach, was soll’s – gleich als Nazi hinstellte. Warum? So entledigte man sich jeder mühseligen Diskussion und stand selbst als Guter da.
Enttäuschung über den Westen
Diese Suspektmachung hat mit Sicherheit mehr Schaden angerichtet, als mittels Umfragen auszumessen wäre. Gerade im Osten, wo man sich das Versprechen auf freie Meinungsäußerung 1990 wie ein Heiligtum ins Lebens-Schatzkästchen legte und sich nie mehr hat vorstellen können, dass es noch einmal Zeiten geben würde, in denen man sich wieder vorher überlegt, was man in politischen Debatten lieber nicht sagt.
Als ostdeutsch Sozialisierte und Republikflüchtling traf mich diese Entwicklung ins Mark, über all die Jahre baute sich eine nicht tilgbare Enttäuschung in mir auf, über den Westen, land of the free. Und ich schätze, das wird vielen gut situierten und AfD wählenden Ostlern ebenso gegangen sein. Ihr politisches Votum heiße ich nicht gut, finde es sogar schlimm, weil es weder klug noch souverän ist, aber den dazu führenden Impuls kann ich nachberechnen. (Hier wollte ich erst „nachvollziehen“ schreiben, aber das würden alle, die das wollen, mir als AfD-Verständnis anrechnen, womit wir wieder beim heutigen Thema wären: Will einer dich als Rechten oder Nazi sehen, so wird ihn nichts und niemand aufhalten).








