In Sachsen-Anhalt könnte die AfD stärkste Kraft werden und, abhängig vom Wahlergebnis, sogar die absolute Mehrheit erreichen. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Partei ebenfalls vorn. Das zeigen aktuelle Umfragen vor den verschiedenen Landtagswahlen im September. In Sachsen-Anhalt würde damit erstmals seit Gründung der Bundesrepublik eine Partei regieren, die der dortige Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ einstuft. Die kommenden Wahlen weisen somit über die Grenzen der Bundesländer hinaus. An ihnen zeigt sich, wie belastbar unsere Demokratie ist und wie tief die politische Polarisierung reicht.Wann haben Sie zuletzt einem Menschen mit völlig anderen politischen Ansichten zugehört und dabei gedacht: So habe ich das noch nie gesehen? Oder sind Sie überhaupt schon mal in den Dialog mit jemandem getreten, der eine andere Perspektive vertritt? Die Medieninitiative „Deutschland spricht“ bietet die Chance zu solch einer Begegnung.Ein Algorithmus führt Menschen zusammen, deren Antworten auf kontroverse Fragen deutlich voneinander abweichen. Alter und Geschlecht spielen dabei keine Rolle. Bei einem Eins-zu-eins-Gespräch hören sie einander zu, fragen nach und lernen unterschiedliche Lebensrealitäten kennen. Hier spricht beispielsweise eine Diplom-Sozialarbeiterin mit einem Projektmanager aus einem Großkonzern und eine Demonstrantin von Fridays for Future mit einem ehemaligen NVA-Soldaten.„Deutschland spricht“ wurde vor der Bundestagswahl 2017 von der Redaktion „Zeit Online“ ins Leben gerufen. Seitdem sind weltweit mehr als 100.000 Gespräche geführt worden. Die F.A.Z. beteiligt sich seit 2019 als Medienpartner.Acht Fragen, ein persönliches GesprächVom 28. Juli bis zum 21. August haben alle Leserinnen und Leser der F.A.Z. die Chance, sich über die Beantwortung von Ja-Nein-Fragen in unseren Texten auf FAZ.NET anzumelden. Dazu gehören etwa „Sollten Parteien grundsätzlich für alle Koalitionen offen sein?“ und „Arbeiten die Deutschen zu wenig?“. Anschließend vermittelt das Format eine Person, die in diesen Fragen gegensätzliche Meinungen vertritt. Stimmen beide dem Austausch zu, treffen sie sich am 30. August 2026 zu einem persönlichen Gespräch. Den Ort wählen die Gesprächspaare selbst aus. In diesem Jahr stehen erstmals auch zentrale Treffpunkte zur Verfügung.Die F.A.Z. lädt ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 30. August in ihre Frankfurter Redaktion ein. Dort werden zwei Fragen verhandelt, die Teil der diesjährigen Aktion sind. Arbeiten die Deutschen zu wenig, wie Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt hat? Und braucht das Land mehr Zuwanderung?Im Vergleich liegt die Zahl der je Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland hinter den vielen europäischen Nachbarländern. Die Arbeitsmarktforschung sieht unter anderem fehlende Betreuungsplätze für Kinder und die Pflege von Angehörigen als Grund dafür, dass immer mehr Menschen in Teilzeit arbeiten. Zugleich erreichen in den kommenden Jahren Millionen mehr Menschen das Rentenalter als das Erwerbsalter. Ökonomen fordern eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften, doch Wohnraummangel und bürokratische Hürden belasten viele Kommunen und schrecken Fachkräfte aus dem Ausland ab. Über diese Zusammenhänge diskutiert die F.A.Z. mit Fachleuten und Teilnehmern der Aktion.Weniger Rechthaben, mehr VerstehenEin Thema, welches die Teilnehmer bereits vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen im Jahr 2024 umtrieb, soll sie auch dieses Jahr wieder beschäftigen: Ist die deutsche Einheit gelungen? 37,8 Prozent der Teilnehmer in Ostdeutschland gaben damals an, dass sie die gleichen Chancen wie Menschen in Westdeutschland haben. 60,8 Prozent der Diskutanten, die in Westdeutschland leben, fanden, dass die gleichen Chancen gegeben sind.Bei der diesjährigen Aktion soll es erstmals auch um die Frage gehen, ob Künstliche Intelligenz (KI) eine Gefahr für die Menschheit darstellt. Viele Menschen betrachten KI als eine tiefgreifende Veränderung, die gewisse Unsicherheiten mit sich bringt. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze und Kontrollverlust. Andere sehen darin eine Möglichkeit, ihren Alltag zu erleichtern und Innovationen zu schaffen.Die Rückmeldungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass viele Teilnehmer ihre Gespräche als bereichernd empfanden und ihren Gesprächspartnern trotz des politischen Dissenses aufgeschlossen begegneten. „Solche Diskussionen sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, schrieb ein Teilnehmer nach seinem Gespräch. Manche verabredeten sich zu weiteren Diskussionen oder meldeten sich erneut für das Format an.Sie möchten sich auch mit jemandem austauschen, der andere politische Ansichten als Sie vertritt? Dann beantworten Sie unsere acht Fragen und treffen sich am 30. August zu einem Gespräch.