Der andere BlickFelix Banaszak wählt klare Worte. Die Grünen tun gut daran, den Unterschied zur Linkspartei zu markierenDer deutsche Grünen-Chef nennt den Islamismus eine «barbarische Ideologie» und Umdeutungsversuche zum Anschlag in Berlin «hanebüchen». Sein Vorgehen ist eine Chance für die Partei.30.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer Grünen-Chef Felix Banaszak grenzt seine Partei von den Linken ab.Marten Ronneburg / ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Len Sander, Redaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Momente der Krise sind Momente der Wahrheit.Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin war so einer, als Politiker der Linkspartei im Nachgang den islamistischen Hintergrund der Tat entweder ausblendeten oder direkt zum Angriff auf CDU und AfD bliesen.Der Grünen-Chef Felix Banaszak bezeichnete diese Ausfälle in einem Podcast als «hanebüchen». «Wortklauberei» seien die Versuche, den Anschlag als Akt eines Konservativen umzudeuten. Zuvor hatte er den Islamismus bereits eine «faschistische, barbarische Ideologie, ein zersetzendes Gift, von Hass erfüllt und von immenser Gefahr», genannt.Hört und liest man Banaszaks Worte, kommt man zu dem Schluss, dass er wirklich verstanden hat, was die Besonderheiten des Islamismus im Vergleich zu anderen Extremismen ausmacht und dass es keine Option sein kann, diese Besonderheiten zugunsten einer politischen Agenda auszulassen oder umzubiegen.Erfrischende DeutlichkeitAuch manche seiner Kollegen, wie etwa der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir oder die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, haben sich mit erfrischender Deutlichkeit zum Anschlag geäussert.Dahinter steckt auch eine strategische Erwägung. Zwar haben die Grünen vorerst ihr Tal der Tränen verlassen: Nach dem für sie enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 erreicht die Partei in Umfragen mittlerweile wieder Werte um die 15 Prozent. In künftigen Koalitionen auf Bundesebene könnte es schwierig werden, auf die Partei zu verzichten.Obwohl manche linke Grüne die eher pragmatische Mitte-Linie des damaligen Kanzlerkandidaten für die Wählerwanderung – insbesondere von Jüngeren – in Richtung der Linkspartei verantwortlich gemacht haben, halten die Vorsitzenden Banaszak und Franziska Brantner die Partei weiter auf Kurs.Das Ziel der Partei ist, sich als linksbürgerliche Alternative zur Linken aufzustellen, die mit ihren antiwestlichen und israelfeindlichen Entgleisungen so manchen eher bürgerlichen Wähler verschreckt. Der Unwillen vieler Linkspartei-Linker, sich des Themas Islamismus auch nur anzunehmen, ist da nur ein weiteres Symptom. Zudem hat der Niedergang der FDP im linksliberalen Spektrum eine Lücke gerissen, die die Grünen gerne bespielen möchten.Es ist noch ein weiter WegStrategische Überlegungen beiseite, markieren Banaszaks klare Worte zum Anschlag den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Parteien. Wie auch immer man zum politischen Programm der Grünen stehen mag: Sie bewegen sich in einem Verständigungsrahmen, den sie mit den übrigen Akteuren der Mitte teilen, während die Linke dies im Wesentlichen schon länger nicht mehr tut.Dennoch muss auch Banaszak sich einige Fragen gefallen lassen. Wie steht er zu dem geradezu bizarren X-Beitrag seiner Kollegin Katrin Göring-Eckardt, in dem es hiess: «Unseren Hass bekommt ihr nicht»? Wie geht er mit der Verharmlosung kritikwürdiger Islamverbände um, die es in seiner Bundestagsfraktion noch immer gibt? Was folgt aus seiner Problemanalyse, auch in der Migrationspolitik?Es ist für die Grünen noch ein weiter Weg bis zu einer konsequenten Politik, die sich des Problems Islamismus annimmt. Aber es ist richtig und strategisch klug, deutlich zu machen, was die Grünen als eine Partei der linken Mitte von einer des linken Randes unterscheidet.In Berlin werden nach der Wahl im September die dortigen, weniger bürgerlich auftretenden Grünen als möglicher Junior-Koalitionspartner der Linkspartei gehandelt. Spätestens wenn dieser Fall eintritt, wird sich erweisen, wie ernst es die Grünen mit dieser Abgrenzung wirklich meinen.Passend zum Artikel