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Deutsche Bargeld-Liebe: Warum es in München plötzlich immer mehr Falschgeld gibt Falsche Hunderter aus Neapel, täuschend echtes Spielgeld von der Lehrerin: Ermittler geben Einblick in das Geschäftsmodell Falschgeld – und in kuriose Fälle.
Welcher 50-Euro-Schein ist echt, welcher gefälscht? Auflösung: Der rechte ist keine Fälschung. Foto: IMAGO/Political-MomentsManchmal kann sogar der Berufsalltag von Staatsanwälten lustig sein. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom siebenjährigen Kind, das einen Döner mit einem 100-Euro-Schein bezahlen wollte. Der Geldschein war gefälscht.Als die Ermittler das Kind und dessen Eltern verhörten, erfuhren sie: Das Falschgeld kam aus der Schule – die Mathelehrerin hatte die Scheine an die Kinder ausgegeben, um mit ihnen rechnen zu üben.München, das Strafjustizzentrum im Nordwesten der Stadt, ein Sitzungsraum im fünften Stock. Die Staatsanwältin Alexandra Meister, Gruppenleiterin bei der Staatsanwaltschaft München I, hat Banknoten auf einem Tisch ausgebreitet. Links: Scheine, die bei näherem Hinsehen als Fälschungen zu erkennen sind, weil sie auf normalem Papier gedruckt sind, weil Sicherheitsmerkmale wie Glitzerstreifen fehlen, oder weil auf ihnen kleine Hinweise stehen, etwa „prop“, für propcopy money, also Requisitengeld.Rechts auf dem Tisch: „echtes“ Falschgeld, ein 200-Euro-Schein, zwei Hunderter, zwei Fünfziger, zwei Zwanziger. Dass sie falsch sind, ist nur schwer zu erkennen.Falschgeld erkennen Woran Sie gefälschtes Geld sicher erkennen von Nils BuskeSpielgeld, das immer echter aussieht und für ein paar Euro bei Amazon bestellt werden kann. „Echtes“ Falschgeld, das immer professioneller hergestellt wird. Als Falschgeld gelten beide Kategorien.Zahl der Falschgeld-Fälle in Bayern steigtMan könnte meinen, dass Falschgeld in Zeiten des digitalen Bezahlens vom Aussterben bedroht ist. Das Gegenteil ist der Fall: Die Zahl der Falschgeld-Delikte in ganz Bayern ist seit 2016 von rund 800 auf 2000 im vergangenen Jahr gestiegen:Bei der Staatsanwaltschaft München I sind im ersten Halbjahr 2026 schon rund 300 neue Ermittlungsverfahren eingegangen – im Vorjahreszeitraum waren es 240. Heißt: Staatsanwältin Alexandra Meister und ihre Kollegen gehen davon aus, dass die Fallzahlen weiter steigen.Woher das Falschgeld kommt? Süditalien gilt immer noch als Werkbank der Geldfälscher, die Ermittler sprechen bei den Erzeugnissen von „Napoli-Fälschungen“. Doch auch die Niederlande oder Bulgarien gelten als Herkunftsländer. Bestellungen werden über das Darknet, aber auch über Messenger wie Telegram organisiert, so Meister. Gute Fälschungen kosten ihr zufolge zwischen 20 und 50 Prozent des Wertes.Alexandra Meister von der Staatsanwaltschaft München I Foto: Volker ter HaseborgDass das kein Betätigungsfeld für Einzelkünstler ist, sondern ein arbeitsteiliges Geschäftsmodell dahintersteckt, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2020: Eine Bande aus den Niederlanden beschaffte sich damals in Neapel Falschgeld. 40.000 Euro in 100-Euro-Scheinen, die Qualität soll ziemlich gut gewesen sein.In München und Stuttgart gingen die Bandenmitglieder dann shoppen – und wählten Waren aus, die nicht viel kosteten, und zahlten mit einem 100-Euro-Schein. Entsprechend hoch war das „echte“ Rückgeld. Dann flog die Bande auf. 2023 wurde eine Niederländerin vom Amtsgericht München wegen bandenmäßiger Geldfälschung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.Ein anderer Fall ereignete sich auf dem Oktoberfest im vergangenen Jahr: Ein Franzose bestellte im Bierzelt zweimal Getränke und zahlte jeweils mit einem 50-Euro-Schein. Diese kamen den Bedienungen seltsam vor – sie riefen die Polizei. Ermittler durchsuchten das Hotelzimmer des Franzosen und fanden neben vielen München-Souvenirs mehrere tausend Euro Falschgeld.Rikscha-Fahrer „Während des Oktoberfests ist München das größte Bordell Europas“ von Volker ter HaseborgWarum aber steigt die Zahl der Falschgeld-Delikte – in einer Zeit, in der immer mehr Menschen digital bezahlen? „So genau erklären kann man es sich nicht“, sagt Staatsanwältin Meister. Sie vermutet, dass Deutschland für Geldfälscher attraktiv ist, weil die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern noch eine ausgeprägte Liebe zum Bargeld haben.Spielgeld kann für echte Ermittlungen sorgenWer Spielgeld erwirbt und nicht damit einkaufen geht, macht sich nicht strafbar, betonen die Ermittler. Trotzdem bestehe das Risiko für Ermittlungsverfahren und Durchsuchungen.So auch im Fall eines anderen Kindes, das in seinem Schulkiosk mit einem gefälschten 100-Euro-Schein bezahlen wollte. Als Ermittler das Mädchen zur Rede stellten, habe sie gesagt: „Meine Freundin hat mir das gegeben, und die hat noch ganz viel davon.“ Auch dieser Spur mussten die Ermittler nachgehen. Es stellte sich heraus, dass die Eltern der Freundin das Spielgeld gekauft hatten: für einen Spiel-Kaufmannsladen.Bei Amazon gibt es 300 Fake-Banknoten schon für unter 15 Euro. „Täuschend echt“, hat ein Nutzer vermerkt. Ein anderer schreibt: „Die Blätter sehen wirklich wie echtes Geld aus und haben lustigerweise sogar für einige Verwirrung gesorgt.“ Staatsanwältin Alexandra Meister hat auf Amazon auch schon Kommentare von Nutzern gefunden, die sich wegen der Banknoten über eine Hausdurchsuchung beschwerten. Der Versandriese Amazon sei mittlerweile für das Thema sensibilisiert, berichtet sie. Und hat folgenden Tipp: „Besser ist es, wenn man sich Spielgeld verschafft, das nicht ganz so echt aussieht.“ Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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