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1. Merz’ Fehleinschätzung

Bundeskanzler Friedrich Merz

Alles begann mit einem Baby, das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Jens Spahn trat als Fraktionschef der Union im Bundestag ab, nachdem er und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden waren; zuvor hatte Spahn diesen Weg politisch abgelehnt.Nun, keine zwei Wochen später, hat die Fraktion den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei zu Spahns Nachfolger gewählt – und Kanzler Friedrich Merz nutzte die Gelegenheit zu einer überraschend umfassenden Kabinettsumbildung. Am Mittag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter anderem dem bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder seine Entlassungsurkunde ausgehändigt. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Doch mit der Art und Weise der Rochade hat Merz politisch mehr verloren als gewonnen. Der Kanzler unterschätzte offenbar, welcher Sturm der Entrüstung ihm aus den Heimatbundesländern des geschassten Verkehrsministers oder auch des entlassenen Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheitsministerium, Tino Sorge, entgegenwehen würde. Merz mache »handwerkliche Fehler in Serie«, schreibt mein Kollege Roland Nelles in seinem Leitartikel, die Autorität des Kanzlers gerate ins Wanken (hier mehr dazu ).