Der viel beschworene „Guggenheim-Effekt“ zieht sich bis in den geopolitisch angespannten Nahen Osten: in die von den militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und Iran hineingezogenen Emirate. Nach fast 20 Jahren Planung, viel Streit und Verzögerungen steht das Guggenheim-Museum Abu Dhabi vor seiner Einweihung.Am 11. Dezember ist es so weit, wie das Department of Culture and Tourism Abu Dhabi am Dienstag mitteilte. Der vom US-Star-Architekten Frank Gehry entworfene Bau auf Saadiyat Island wird das größte Haus des Guggenheim-Netzwerks (bislang die Klassiker New York und Venedig und der futuristische Gehry-Bau Bilbao) sein und ergänzt den Kulturbezirk, zu dem bereits der Louvre Abu Dhabi sowie das Zayed National Museum und das Natural History Museum zählen.

Guggenheim Abu Dhabi: Kritik wegen Meinungsfreiheit

Die ehrgeizigen Pläne für das spektakuläre Kunstareal, das sich am Persischen Golf optisch fast wie eine Fata Morgana zwischen Meer und Land ausnimmt, wurden allerdings schon im Jahr 2006 vorgestellt. Doch der dekonstruktivistische Bau, eine weitere sensationelle Kreation Frank Gehrys, verzögerte sich mehrmals eklatant. Erst schlug die Finanzkrise durch, dann wurden die Arbeiten durch die Corona-Pandemie unterbrochen. Große Probleme machten auch heftiger Streit und internationale Proteste: Menschenrechtsorganisationen kritisieren über Jahre die Lage der Meinungs- und Pressefreiheit in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die kritikwürdigen Arbeitsbedingungen von Migranten, die auf der gigantischen Baustelle arbeiteten. Die Guggenheim Foundation und die Behörden in Abu Dhabi verwiesen dagegen auf umfassende Reformen und Kontrollmechanismen zum Schutz der Beschäftigten.