Sie hätten es schlechter treffen können. In dem Hotel, das sich die Eintracht für ihren Arbeitsaufenthalt ausgesucht hat, hat sich in diesen bayerischen Sommertagen neben dem Frankfurter Fußballteam eine Reihe von Menschen eingebucht, die die Nähe zum Ufer des Chiemsees und die vor der Haustür liegende Alpenvielfalt gleichermaßen zu schätzen wissen.Der Parkplatz bringt zum Ausdruck, dass die Gäste aus allen Himmelsrichtungen angereist sind, doch ausgebucht, das hat Adi Hütter in Erfahrung gebracht, ist das Fünf-Sterne-Ressort nicht, das sich selbst als „Rückzugsort für entspannte Auszeiten“ preist. An Zimmern, um mögliche neue Spieler unterzubringen, die der Trainer der Hessen gerne alsbald in seinen Reihen begrüßen möchte, würde es nicht mangeln.Zur Mitte der Woche sind aber zunächst einmal Führungspersonen aus den Klubgremien eingetroffen. Die Aufsichtsratsmitglieder Wirmer und Janssen verfolgten die Trainingsarbeit aus nächster Nähe, später stieß auch Markus Krösche, der Sportvorstand, hinzu. Er hatte bereits am Sonntag in Salzburg auf der Tribüne gesessen, um sich den Testspielsieg gegen Trabzonspor (3:0) anzuschauen. Doch jettet er danach direkt wieder zurück, um im Klub-Campus Geschäfte abzuwickeln.Onyedikas Transfer steht unmittelbar bevorDie Übereinkunft mit dem portugiesischen Verteidiger Otavio verlangte seine Anwesenheit in der Heimat, unterschrieben werden musste der Vertrag auch von ihm – die Finalisierung der wichtigen Entscheidung ist bei der Eintracht Chefsache. Und die Tatsache, dass Krösche sein Reisegepäck nun so zusammengestellt hat, dass er bis Ende der Woche bleiben kann, ehe die Mannschaft zurückfliegt, um am Samstag bei Waldhof Mannheim die nächste Probe aufs Exempel zu bestreiten, macht die Annahme realistischer, dass weitere Zugänge zwar auch von ihm gewünscht, aber nicht unmittelbar im Anflug sind.Erfahrung in der Champions League: Onyedika (rechts) gegen Barcelonas Lamine Yamal (Mitte)EPADass sich die Hängepartie mit Raphael Onyedika, den die SGE gerne verpflichten würde, weil sie glaubt, in ihm einen kampfstarken Sechser gefunden zu haben, der zum einen die in der letzten Saison so anfällige Defensive stabilisieren helfen könnte, aber auch nach der Balleroberung dem Vorwärtsstreben mehr Schwung verleihen kann, ließ Krösche mit seinen Äußerungen zwischen den Zeilen erahnen. Spruchreif sei noch nichts, aber es sei richtig, dass „wir im Austausch sind“. Damit meinte der Manager Gesprächspartner auf Seiten des Klubs und des Beraters des Nigerianers, der seit 2022 für den FC Brügge spielt. Der belgische Meister bestreite an diesem Freitag noch das aus seiner Sicht prestigeträchtige Duell um den Supercup gegen Union Saint-Gilloise; da könnte Onyedika ein letztes Mal gut gebraucht werden.Der Kader soll weiter verstärkt werden„Man wird es die nächsten Tage sehen“, sagte Krösche, der „nicht vorher“ Wasserstandsmeldungen produzieren wollte, sondern erst dann von einem Transfer sprechen will, „wenn man sich geeinigt hat“. Für den Fall, dass es so weit kommt und der 25-Jährige tatsächlich künftig das SGE-Trikot trägt, werden auch die – losen – Anfragen an Robert Andrich von Bayer Leverkusen nicht weiterverfolgt, wie es zwar nicht aus den Worten Krösches unmittelbar durchklang, aber an seiner Gestik und Mimik bei seiner Situationsanalyse auf der Terrasse des Sportlerheims des ASV Grassau, das der Eintracht als Trainingsstätte dient, unzweideutig abzulesen war.Kommt nicht zur Eintracht: Leverkusens Robert Andrich (rechts).ReutersDass aktuell vergleichsweise wenig Bewegung im Markt zu registrieren sei, ist für Krösche eine unmittelbare Folge der Weltmeisterschaft. Die Mehrzahl der Nationalspieler komme erst nach und nach aus dem Urlaub zurück, entsprechend zögen sich Gespräche und Verhandlungen in die Länge. „Man merkt generell, dass alle Klubs erst mal verkaufen müssen“, sagte er. In der Premier League liefen die Vorbereitungen gerade an, und das bringe „frisches Geld in den Markt“. Er nannte es hilfreich für die Ambitionen der Eintracht, dass sie früh mit den Verkäufen von Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen und Aurèle Amenda – brutto – 80 Millionen Euro eingenommen habe, „das mache es nun einfacher“, Vorstellungen, wie das Kaderupdate vonstattengehen soll, zu realisieren: „Wir schauen immer, wie wir uns verstärken können.“Anspruch an Koch, Burkardt und Co.Krösche sagte, dass er erwarte, dass Spieler wie Robin Koch, Jonathan Burkardt, Mario Götze oder Timothy Chandler ihrer Führungsaufgabe gerecht würden, sie sollten „Verantwortung übernehmen“. Und er erläuterte in diesem Zusammenhang: „Das Alter ist nicht der entscheidende Faktor, sondern es geht um Persönlichkeit, Qualität und Potential.“ Bei allem, was in diesen Wochen geschehe, kommt es für Krösche darauf an, „am Ende besseren Fußball zu spielen“ als in der vergangenen Saison, „mit einer anderen Energie“.Das Grundproblem, dass es dem Team in seinem Tun an Intensität mangelte, habe sich schon unter Dino Toppmöller im vorigen Herbst abgezeichnet und nach dessen Freistellung unter Albert Riera verstärkt: „Wir hatten nicht die Stabilität, gerade im Verhältnis Offensive zu Defensive. Wir hatten viel Ballbesitz, aber in Regionen, wo es nicht torgefährlich ist, zu wenig Tiefgang, und es wurde immer fahriger. Und das ist das, was wir verändern wollen.“ Diesen Fokus erkenne er in den Bemühungen Hütters, der den Neuanfang mit Verve vorantreibe und von dem er sicher sei, dass er in die gewünschte Richtung ziele – „und dann werden wir auch anders, besser und attraktiver Fußball spielen, mit dem Gefühl: Da ist eine Mannschaft auf dem Platz, die Energie hat.“Einer, der in diesen Überlegungen keine nennenswerte Rolle mehr spielt, ist Ellye Wahi. Dem Nationalspieler der Elfenbeinküste wurde von Krösche eine Verlängerung seines Urlaubs genehmigt. Nicht aus Großmut, sondern verbunden mit der klaren Prämisse, dass sich der jüngst an OGC Nizza ausgeliehene Stürmer, der noch bis Mitte 2030 an die Eintracht gebunden ist, mithilfe seiner neuen Ratgeber einen anderen Arbeitgeber sucht. „Es gibt sicherlich irgendeinen Klub, der Interesse an ihm hat“, der 23-Jährige müsse nun „entscheiden, was er machen will. Dann gibt es auch eine Lösung“, sagte Krösche.Er bekräftige damit den Eindruck des Gesprächs: Dass er um Spieler, die er unbedingt haben will, zu kämpfen bereit ist – und sich gleichzeitig ohne Zögern von denen trennt, zu denen dem Anschein nach auch Junior Ebimbe, Noel Futkeu und Niels Nkounkou zählen, an deren Mehrwert für die Eintracht er nicht mehr glaubt. Womöglich ist diese Konsequenz die wichtigste Voraussetzung dafür, dass der Umbruch mehr wird als ein bloßer Austausch von Personal.
Eintracht Frankfurt: Markus Krösche treibt den Umbruch voran
Eintracht-Manager Markus Krösche tauscht die halbe Mannschaft aus. Für manche Spieler ist er bereit zu kämpfen, für andere nicht. Ein Mittelfeld-Zugang wird bald zu den Frankfurtern stoßen.







