Russland hat Anklage gegen den Telegram-Gründer Pawel Durow erhoben und einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Wie der Inlandsgeheimdienst FSB laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mitteilt, wird dem Tech-Unternehmer Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung droht dem Unternehmer im Extremfall eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Nach Angaben von Tass stützt der Geheimdienst die Anklage auf Artikel 205.1 des russischen Strafgesetzbuches. Die Ermittler beschuldigen die Betreiber von Telegram demnach, verbotene Inhalte, Kanäle und Chatbots trotz wiederholter Aufforderungen nicht gelöscht zu haben. Diese Werkzeuge sollen ukrainische Sicherheitsbehörden, terroristische und extremistische Organisationen zur Vorbereitung von „Sabotage- und Terrorakten, Massenmorden und Cyberbetrugsoperationen innerhalb der Russischen Föderation“ genutzt haben.

Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor versendete laut Tass mehr als 150.000 Löschanträge an das Unternehmen, die unbeantwortet blieben. Bislang gaben weder Durow noch die Leitung des Messengerdienstes eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. In der Vergangenheit hatte Durow die Forderungen Russlands als staatliche Zensur kritisiert. Bereits im Februar war bekannt geworden, dass der FSB gegen Durow ermittelt.