Der angeschlagene Verpackungshersteller ​Gerresheimer verschafft sich mit dem Verkauf von zwei Sparten für eine Milliardensumme finanziell Luft. Das Düsseldorfer Unternehmen verkauft nicht nur wie angekündigt die US-Tochter Centor, die Verpackungssysteme ‌für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA herstellt, sondern auch das weltweite Geschäft mit Medikamenten-Primärverpackungen aus Kunststoff (PPP) an den Finanzinvestor Apax Partners, wie Gerresheimer am Mittwoch mitteilte.

Beide Sparten zusammen würden einschließlich Schulden mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr mit 2400 Mitarbeitern 570 Millionen Euro Umsatz. Mit dem Erlös will Gerresheimer seinen Schuldenberg von 1,9 Milliarden Euro abbauen.Aktie springt zweistelligDer Verkauf trieb die Gerresheimer-Aktie am Mittwoch um rund 20 Prozent nach oben. Ein Händler sagte, ​mit der Abspaltung habe das Bangen um die Refinanzierung des Konzerns ein Ende. Gerresheimer habe hier massiv unter Druck gestanden. Gerresheimer hatte die US-Firma Centor vor elf Jahren für 725 Millionen Dollar gekauft. Dass auch das Kunststoff-Verpackungsgeschäft ⁠verkauft werde, sei eine positive ⁠Überraschung.

„Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück“, sagte Gerresheimer-Vorstandschef Uwe Röhrhoff (64). Man fokussiere sich damit noch mehr ‌auf lukrative Systeme zur Verabreichung von Medikamenten, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel. Gerresheimer stand mit dem ​Verkauf unter Druck: Die ‌Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten darauf verwiesen, dass er noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden müsste, weil die Gläubiger sonst die Reißleine ziehen könnten, wenn Gerresheimer die Kreditbedingungen verletze. Bei PPP könne sich der Vollzug noch bis ins nächste Jahr hinziehen, erklärte das Unternehmen.