Herr Looman, Sie beschäftigen sich Ihr ganzes Berufsleben mit Geld. Macht es denn nun glücklich oder nicht? Nein, macht es nicht. Ich habe in den letzten 40 Jahren rund 2000 Menschen beraten. In jüngster Zeit kamen fast nur noch Millionäre zu mir, mit einem Vermögen zwischen einer und 100 Millionen Euro. Je reicher die Leute waren, desto unglücklicher waren sie. Gestern saß hier ein älterer Mann mit 20 Millionen Euro auf dem Konto. Vor kurzem bekam er die Diagnose, an Krebs erkrankt zu sein, und fragt sich jetzt, wofür er die letzten 40 Jahre eigentlich so geschuftet hat. Er sagte, er sei froh, dass das Geld da ist – aber glücklich ist er nicht. Naja, er hat Krebs. Da wäre niemand glücklich, oder? Klar, aber ich sehe das jeden Tag. Je mehr Geld da ist, desto größer ist die Angst, alles wieder zu verlieren. Die Leute haben Angst vor einer Vermögenssteuer, vor Enteignung. Und wenn der Aktienmarkt wirklich mal einbricht, wie zu Corona oder beim Ukraine-Krieg, sehen die Leute nicht die acht Millionen, die noch da sind, sondern die zwei Millionen, die weg sind. Sie leben in ständiger Alarmbereitschaft, können das Leben kaum genießen.
Volker Looman berät Reiche bei der Geldanlage: „Die meisten sind spießig und geizig“
Seit Jahrzehnten erklärt der Finanzanalytiker den Deutschen, was sie am besten mit ihrem Geld tun sollen. Für welchen Tipp hätte er selbst bezahlt?







