Sie sind groß, elegant und begrüßen einander mit einem Klappern ihres langen roten Schnabels. Ihnen wird nachgesagt, dass sie Glück bringen. Und sie können nerven, etwa wenn sie Autos oder Fensterscheiben demolieren, weil sie ihr Spiegelbild für einen Konkurrenten halten und mit ihrem spitzen Schnabel wütend auf ihn einhacken.Das vielleicht Bemerkenswerteste am Weißstorch aber ist, dass es ihm in Zeiten des Artensterbens gut geht: Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rechnet diesen Sommer mit 15 000 Brutpaaren. Und das, obwohl die weiß-schwarzen Vögel in den 1980er Jahren in vielen Regionen Deutschlands bereits als ausgestorben galten.Diese positive Entwicklung ist umso erstaunlicher und schöner, als sie einem allgemeinen Negativtrend entgegensteht: Fast zeitgleich mit den Meldungen über das Rekordhoch der Weißstörche, erschien in der Fachzeitschrift Nature Reviews Biodiversity ein großer Übersichtsartikel, demzufolge die Bestände von mehr als der Hälfte der Zugvogel-Arten weltweit zurückgehen.300 Spezies sind demnach bedroht. Besonders große Sorgen machen sich die Ornithologen um den Hawaii-Sturmtaucher, dessen Ruf klingt wie der eines Esels, um den Steppenkibitz und um den Goldbauchsittich, von dem es nur noch weniger als 100 Individuen gibt. Mindestens genauso besorgniserregend sei aber die Beobachtung, dass die Zahl der Individuen auch bei bis vor kurzem noch häufigen und weitverbreiteten Arten stark zurückgehe. „Das Ausmaß des Rückgangs der Zugvogelarten ist alarmierend und ernüchternd“, sagt Studienautor Peter Marra von der Georgetown University in Washington in einer Presseerklärung. „Was wir sehen, ist die Konsequenz jahrzehntelanger Umweltzerstörung.“Weißstörche sparen EnergieDie Vernichtung seines Lebensraums war auch der Hauptgrund, der den Weißstorch in Deutschland beinahe hätte aussterben lassen. Moore und Feuchtwiesen, in denen die Vögel nach Fröschen, Fischen und anderem Getier stochern, wurden trockengelegt und in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Seit solche Biotope vielerorts renaturiert werden, geht es dem Storch wieder besser.Irgendwie hat sich der Weißstorch aber auch selbst gerettet. Die großen Vögel haben flexibel auf den Klimawandel und die wärmeren Winter in Europa reagiert. Immer mehr fliegen im Herbst statt nach Afrika nur noch nach Spanien. Das erspart ihnen Strapazen und erhöht so ihre Überlebenschance. Laut Nabu zieht nur noch etwa ein Viertel der Störche wie eh und je über den Balkan und den Nahen Osten nach Afrika. Drei Viertel fliegen dagegen nach Spanien. Vor 30 Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Mittlerweile gibt es sogar Tiere, die gar nicht mehr ziehen und den Winter über in Deutschland bleiben.Zugvögel gehören zu denjenigen Tieren, die am schwierigsten zu schützen sind, schreiben die Autorinnen und Autoren der aktuellen Studie. Weil sie auf ihren Reisen Kontinente, Ozeane und politische Grenzen überqueren, ist internationale Zusammenarbeit erforderlich. Dass das möglich ist, zeigten Erfolge bei Kranichen, Watvögeln und Raubvögeln – und dem Weißstorch.