Ja, ja, schließen Sie Ihre Leserbrief-E-Mail-Maske wieder, ich weiß, es heißt inzwischen nur noch „Kleinanzeigen“. Was die Sache nicht besser macht. Sie müssen wissen: Nach 36 Berlinjahren glaubt man eigentlich, alles gesehen und erlebt zu haben, zu dem Menschen fähig sind. Dass mich allerdings eine Secondhand-Verscherbel-Plattform das ultimative Gruseln über unsere Stadt lehren würde – mehr als alle nächtlichen S-Bahn-Fahrten und Bahnhofsaufenthalte nach 2010 zusammen –, das war dann doch eine Überraschung.

Also, mein altes Sofa wollte ich verschenken. Es ist wirklich zu schade für den Sperrmüll, es sollte ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit sein. Und ja, auch zur Menschlichkeit. Denn die braucht unsere Stadt mehr als das ZDF einen neuen Intendanten, glauben Sie mir! Ach, wissen Sie ja selbst. Ich stelle also mein Sofa, den blaugrauen Zweisitzer, in unser aller Internetz – und pam, pam, pam hageln die Antworten rein. Das ist immer so, wenn es in Berlin was umsonst gibt.

Zunächst wundere ich mich über die Rechtschreibung, die mir dort angeboten wird. Hingerotztes ohne Punkt und Komma, dafür aber mit tausend Fehlern. Von Ana, Seda, Toni & Co. Einen duze ich zu lange, obwohl es da alle tun, er schreibt, ich wäre ein Rassist. Puh, das ging schnell. Früher – ich komme noch aus einer Zeit, in der Menschen vollständige Sätze formulierten – schrieb man: „Guten Tag, ich hätte Interesse. Wäre eine Abholung am Samstag möglich?“ Man bedankte sich, man erschien. End of Story.