Wer in diesen Tagen über den Rosa-Luxemburg-Platz läuft, kann sehen: Matthias Lilienthal, der Intendant der Volksbühne, hat nicht zu viel versprochen. Vor dem Portal des Theaters steht ein 25 Meter langes Schwimmbecken, bereits gefüllt mit Wasser. Es schimmert blau. Menschen bleiben stehen, machen Fotos. Drum herum wird noch gebaut, Absperrgitter stehen, Arbeiter sind zugange, müssen Auskunft geben, wann es losgeht. Das Volksbad, über das in den vergangenen Monaten viel geredet und geschrieben wurde, nimmt für alle sichtbar Gestalt an.

An der Fassade des Gebäudes hängt ein roter Rettungsring, „Volksbad am Rosa-Luxemburg-Platz“ heißt es auf dem Anschlag. Man wird informiert: Vom 7. August bis zum 1. Oktober soll hier geschwommen werden – kostenlos, ohne Ausweispflicht, wie sie die Berliner Freibäder eingeführt haben, nachdem es dort immer wieder Krawall gegeben hat. Dazu gibt es eine Pommesbude und einen Trinkwasserbrunnen. Die neue Intendanz der Volksbühne nennt das Ganze eine „urbane Intervention“ und meint damit: In einer Stadt, in der Schwimmbäder schließen und öffentlicher Raum zunehmend kommerzialisiert wird, stellt ein Theater ein Becken auf die Straße und sagt: Kommt rein, es kostet nichts. „Wir versuchen, mit dem Volksbad wenigstens teilweise die Nicht-Angebote der Stadt auszugleichen“, sagte Lilienthal der Berliner Zeitung. Schwimmen ist hier politisch. Das rund 300.000 Euro teure Projekt wird aus dem regulären Haushalt der Volksbühne finanziert.