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Energie-Start-up: Enpal schließt Standort in Hamburg Mit immer neuen Produkten erweitert das ursprünglich auf Solaranlagen spezialisierte Start-up Enpal sein Portfolio – schließt aber jetzt einen Vertriebsstandort. Konkurrent 1Komma5 Grad gibt sich betroffen.
Früher Enpals einziges Kerngeschäft: Die Installation von Solaranlagen. Mittlerweile hat das Start-up sein Portfolio erheblich erweitert. Foto: Marijan Murat/dpaEs ist sehr bitter, wenn ein Wettbewerber sich demonstrativ mitfühlend zur Schau stellt, wenn im eigenen Laden gerade etwas nicht läuft. So dürften sie das auch bei Enpal sehen, jenem Berliner Start-up, das mit der Installation von Solaranlagen auf Hausdächern bekannt geworden ist. Der Chef des Hamburger Mitbewerbers 1Komma5 Grad, Philipp Schröder, jedenfalls, hat am Dienstag auf LinkedIn voller Mitleid sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass Enpal seinen Hamburger Vertriebsstandort mit rund 85 Mitarbeitern schließt. Insgesamt beschäftigt Enpal laut eigenen Angaben über 5000 Mitarbeitende. Enpal, preist Schröder den Konkurrenten, sei „ein großartiges Unternehmen, das in den letzten 10 Jahren nicht nur neue Rekorde aufgestellt hat, sondern den Markt selbst verändert hat und weiterhin verändert.“Vor allem habe Enpals „Team“, so setzt Schröder seine Huldigung fort, „immer genau den Mut und den Tatendrang bewiesen, den wir in Deutschland so oft schmerzlich vermissen“. Fast klingen Schröders Worte wie ein Nachruf. Mit einem Screenshot verweist er dazu auf eine Seite von „Gründerszene“ bei „Business Insider“. Das Medium hatte die Standortschließung zuerst gemeldet.Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche bestätigte ein Enpal-Sprecher den Schritt. Am Morgen seien die Mitarbeiter informiert worden. Man wolle sich nun auf die „Kern-Vertriebsstandorte“ München, Essen und Berlin fokussieren, die „wir mit dieser Entscheidung zugleich stärken“. Man werde das „Möglichste“ tun, um die betroffenen Mitarbeitenden in „dieser schwierigen Zeit“ zu unterstützen. Der Vertrieb bezieht sich hier in erster Linie auf Solaranlagen und Wärmepumpen.Umstrittenes Urteil Zwei Meisterbetriebe, um ein Solarpanel aufs Dach zu bringen? Ein Urteil sorgt für Aufregung in der Solarbranche: Braucht es Meisterbetriebe fürs Dachdecken und die Elektrik, um eine Solaranlage zu installieren? Über die Bedeutung und mögliche Folgen wird gestritten. von Florian GüßgenEine besondere Einhorn-Beziehung1Komma5-Grad-Chef Schröder schreibt auf LinkedIn, dass er versuchen werde, Enpal-Mitarbeitenden am Standort Hamburg „ein Angebot zu machen“, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. „Egal wie unterschiedlich unsere Strategie, Geschäftsmodell und unsere Kultur auch sind, das Ziel ist das Gleiche.“Allein der Post markiert eine weitere Episode in einer sehr speziellen Frenemy-Beziehung der beiden deutschen „Einhörner“, aber auch im Verhältnis der Gründer, von Schröder und Mario Kohle, Enpals Co-Gründer und Chef. Als „Einhorn“ wird ein Start-up bezeichnet, wenn es eine Bewertung von über einer Milliarde Euro erhält. Frenemy nennt man Unternehmen, die mal in Konkurrenz stehen, mal aber auch, wenn es hilft, zusammenarbeiten.Kohle hat Enpal 2017 mit zwei Geschäftspartnern gegründet, zunächst unter dem Namen Evergreen. Die Idee: Solaranlagen an Privatleute vermieten. Das Konzept: aggressives, digitales Marketing, virtuelle Kundengespräche, Planung aus der Ferne, schneller Einbau vor Ort, mit eigenen Handwerkern. Das Versprechen: Ihr werdet grün, es ist einfach und ihr spart Stromkosten. Und während Corona, der Pandemie, und der Energiekrise nach dem Angriff Wladimir Putins auf die Ukraine lief das Geschäft auch. Jeder wollte Solaranlagen haben. Gab ja satte Förderung, eine fixe Einspeisevergütung, auf 20 Jahre garantiert. Die Zinsen waren niedrig. Enpal heuerte Installateure an, bildet sie seither in einer eigenen Akademie in Brandenburg nahe Berlin aus. Am Vorabend der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland besuchten zwei prominente CDU-Politiker die Akademie: Friedrich Merz, damals absehbar der Kanzlerkandidat der Union, und Jens Spahn, beide in der Opposition. Das war damals ein Ritterschlag, auch wenn das in diesen Tagen wohl kaum jemand so vermarkten würde.Innovative FinanzierungsmethodenAls der Boom abflaute, setzte Enpal verstärkt auf den Verkauf von Solaranlagen. Gleichzeitig erweiterte Kohle seine Produktpalette um Wärmepumpen und um Wallboxen. Zudem stieg er auch in das Geschäft mit Smart Metern ein, den digitalen Stromzählern, die aber eigentlich vor allem dabei helfen, Geräte zu steuern, Erzeugung und Verbrauch zu optimieren, aber auch die Vermarktung zu ermöglichen. Auch eine Handelsplattform bietet Enpal. Die Idee jetzt: Ein ganzheitliches Energiesystem für zu Hause anbieten. Effiziente Energie auf Knopfdruck. Supersmart.Energiekrise Warum derzeit Millionen in Energie-Start-ups fließen Die nächsten Millionen für Proxima Fusion: Ausgerechnet Energie-Start-ups trotzen der schwachen Konjunktur. Darum können sie derzeit besonders viel Geld einsammeln. von Stefan HajekZudem, und das gehört zu den spannenderen Aspekten bei Enpal, tat sich das Unternehmen durch innovative Finanzierungs- und Refinanzierungsmethoden hervor und platzierte etwa eine Solar-Verbriefung am Kapitalmarkt, öffentlich und handelbar. Abgesichert sind die Papiere mit Krediten von deutschen Solaranlagen-Kunden. Der Vertrieb, der zunächst in erster Linie digital angelegt war, folgt längst wieder konventionelleren Methoden, etwa über Außendienstler. Der Markt ist kleiner – und heiß umkämpft.Enpal ist eher zentral strukturiert, was dieses Start-up von Schröders 1Komma5 Grad unterscheidet, 2021 gegründet. Das Hamburger Unternehmen setzte anfangs darauf, bestehende Handwerksbetriebe aufzukaufen, auf eine dezentrale Struktur – und auf eine schnelle Expansion im Ausland. Gleichzeitig wettet Schröder darauf, dass die Wertschöpfung nicht nur in der Installation von Geräten liegt, sondern in einer Dienstleistung: eben der Steuerung der Geräte über eine Software. Diese Software heißt bei 1Komma5 Grad „Heartbeat“, der Gebrauch kostet. Was mittelfristig erfolgreich oder erfolgreicher sein wird, auch günstiger von der Kostenstruktur, ist noch nicht absehbar.Starke Abhängigkeit von der PolitikKlar ist, dass beide Unternehmen stark von der Politik und den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben aus Berlin abhängen. Was, wenn die Förderung von Solaranlagen über die Einspeisevergütung absehbar wegfällt, wie es Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) plant? Was, wenn Kunden ihren Strom selbst vermarkten sollen, wie es der Entwurf der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorsieht, das im September in neuer Form in den Bundestag soll? Lohnt das dann alles noch? Auch das Hin und Her bei der Förderung von Wärmepumpen hat Kunden immer wieder verunsichert.Enpal hat erst vor wenigen Wochen seine Wachstumsstrategie erneut „geschärft“. Man wolle über die eigene „technologiegestützte Plattform“ nun Privat- und Gewerbekunden „sämtliche Elektrifizierungsmöglichkeiten aus einer Hand anbieten“. Dafür bilde man zwei neue Einheiten. Die eine solle alle „Energy-Tech-Aktivitäten“ bündeln, also etwa die Künstliche Intelligenz, die im Münchner Start-up Flexa steckt, aber auch die Smart-Meter-Tochter. Dazu soll’s freilich auch eine KI-Betriebssoftware geben. Die zweite Einheit soll operative Dienstleistungen anbieten.Finanziell gibt Enpal an, im ersten Halbjahr 2026 600 Millionen Euro umgesetzt zu haben, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das ganze Jahr werde ein Umsatz von 1,3 Milliarden Euro angestrebt. Das Ergebnis wird dabei nicht ausgewiesen. Allerdings lässt sich, jenseits aller freundlich ummäntelten Rhetorik des Konkurrenten 1Komma5 Grad, vermuten, dass etwa in Hamburg durchaus gespart werden soll:Mutmaßlich ist das die wichtigste Botschaft für jene Mitarbeitenden, die noch bei Enpal arbeiten. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick







