Auch fünfzig Jahre nach dem Tod von Agatha Christie boomt das Geschäft mit ihren Werken. Die britische Bestsellerautorin (1890 bis 1976) wurde weltberühmt mit der liebenswürdig-scharfsinnigen Miss Marple sowie dem Privatdetektiv Hercule Poirot. Schon zu Lebzeiten gründete sie 1955 eine Firma zur Vermarktung ihrer Krimiromane. Die in London ansässige Agatha Christie Limited existiert bis heute – und ihre Umsätze und Gewinne steigen und steigen.Im Geschäftsjahr 2025 wuchs der Umsatz um 50 Prozent auf 33 Millionen Pfund (39 Millionen Euro). Der Vorsteuergewinn stieg auf 20 Millionen Pfund, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, der diese Woche im Handelsregister veröffentlicht wurde. Der Agatha-Christie-Boom ist bemerkenswert: Innerhalb von sechs Jahren haben sich die Gewinne verdoppelt. „Die Strategie der Firma besteht weiterhin darin, die Gewinne mittel- bis langfristig zu maximieren, indem sie die Rechte an den Werken von Agatha Christie verwertet, wobei stets auf eine der Marke angemessene Vorgehensweise geachtet wird“, schreibt die Agatha Christie Ltd., die der Urenkel James Pritchard leitet. Knapp ein Drittel der Anteile halten Familienmitglieder, rund zwei Drittel gehören dem US-Medienkonzern AMC Networks.Dass die Geschäfte so brummen, liegt zum einen an den noch immer starken Verkaufszahlen der beliebten Romane mit Miss Marple und Poirot. Hinzu kommen Lizenzeinnahmen aus älteren und neuen Verfilmungen, zuletzt aus der Netflix-Miniserie „The Seven Dials“. Dazu kommen noch Theaterstücke. In London läuft in einer legendären Dauervorstellung „The Mousetrap“, die seit 1952 bei 30.000 Aufführungen schon mehr als zehn Millionen Zuschauer gesehen haben. Erfolgreich war zuletzt auch das Stück „Mord im Orientexpress“. Nach einer Tour durch Großbritannien ging die Bühnenversion des blutigen Krimis mit Michael Maloney in der Rolle des Poirot sogar auf China-Reise. Auch „Tod auf dem Nil“ – der Krimi, der einst mit Peter Ustinov verfilmt wurde – kam in England wieder auf die Bühne.Die 80 Bücher (66 Romane, 14 Bände mit Kurzgeschichten), die Agatha Christie hinterlassen hat, reichen offenbar nicht. Ihre Firma hat Rechte für eine „Miss Marple“-Fortsetzung von Autorin Lucy Foley verkauft. Deren Titel „Murder at the Grand Alpine Hotel“ kommt Ende September auf den Markt. Geplant sind auch neue Filmprojekte mit den 20th Century Studios in Hollywood.Nur die Bibel wurde häufiger verkauftDass eine Schriftstellerin ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod noch immer einen solchen kommerziellen Erfolg erzielt, ist ungewöhnlich. Agatha Christie war die mit Abstand größte Bestseller-Autorin des 20. Jahrhunderts. Mindestens zwei Milliarden Exemplare ihrer 80 Bücher wurden verkauft. Nur die Bibel ist ein noch größerer globaler Bestseller; seit Erfindung des Buchdrucks ist sie in fünf bis sieben Milliarden Exemplaren gedruckt worden, schätzt die britische Bible Society. Auf zwei Milliarden Verkäufe könnten auch die Werke William Shakespeares im Laufe von vier Jahrhunderten gekommen sein, doch zu seinen Zeiten ohne Urheberrechte war eine kommerzielle Vermarktung schwierig.Agatha Christie läuft an der Akropolis in Athen im Jahr 1958.Picture AllianceDie in der Grafschaft Devon an der Südwestküste Englands geborene Agatha Miller, seit ihrer Heirat 1914 Agatha Christie, die im Ersten Weltkrieg als Krankenschwester tätig war und in einer Apotheke viel Wissen über Gift erwarb, das sie in ihre Krimis einbrachte, erlangte mit ihrem siebten Roman „The Murder of Roger Ackroyd“ 1926 den ersten durchschlagenden Erfolg. Dass sie im selben Jahr für elf Tage mysteriös verschwand – aus Kummer über die bevorstehende Trennung von ihrem Mann –, was eine landesweite Suchaktion auslöste, steigerte ihre Bekanntheit. Im Band „Murder at the Vicarage“ („Mord im Pfarrhaus“) 1930 trat erstmals Miss Marple auf. Seitdem stiegen die Verkäufe sprunghaft an, und Christie stieg an die Spitze der Mega-Bestsellerautoren.Oftmals ist es Trivialliteratur, die sich sehr gut verkauft, etwa die einst sehr populäre britische Liebesromanautorin Barbara Cartland, die angeblich fast eine Milliarde Bücher verkaufte. Hohe Auflagen erlangten auch andere Krimiautoren wie Georges Simenon oder Enid Blyton. Auch der russische Klassiker Lew Tolstoi und der US-Horrorautor Stephen King dürften fast eine halbe Milliarde Bücher abgesetzt haben. J.K. Rowling, die mit „Harry Potter” einen Welterfolg feierte, hat inzwischen mehr als 600 Millionen Bücher verkauft. Größter deutscher Bestsellerautor war Karl May; geschätzt 200 Millionen seiner Bücher gingen weltweit über den Ladentisch.Doch kein anderer Autor hat einen so lange andauernden und quantitativ so starken Erfolg wie Agatha Christie erzielt. Sie ist mittlerweile eine weltweite Marke. Ihre Londoner Firma hat dazu Marktforschung in acht der größten Märkte durchgeführt und will die Marke global noch bekannter machen. Die größten Fans ihrer Bücher sitzen noch immer im Vereinigten Königreich. Dort machte die Agatha Christie Ltd. im vergangenen Jahr fast 15 Millionen Pfund Umsatz, knapp die Hälfte der Gesamteinnahmen. Rund 12 Millionen Pfund Umsatz stammten aus den USA, knapp vier Millionen Pfund aus der EU und knapp drei Millionen Pfund aus dem Rest der Welt.
Agatha Christie Limited: Millionengewinne 50 Jahre nach ihrem Tod
Etwa zwei Milliarden Bücher der Krimiautorin wurden schon verkauft. Ihre Firma macht von Jahr zu Jahr höhere Millionengewinne – und blickt bis nach China.









