Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Chipmaschinen – fast täglich jagt Technik aus China der Welt Angst ein. Erst war es das neueste KI-Modell von Moonshot AI, das die US-Vorherrschaft infrage stellte. Dann sorgten der Riesenbörsengang des Chipproduzenten CXMT und kurz darauf eine Maschine für die Halbleiterproduktion, die in China offenbar auf den Markt kommt, für einen Kurssturz bei den Chipwerten auf der ganzen Welt.Es ist erstaunlich, wie unvorbereitet Entwicklungen in China globale Märkte treffen. Denn eigentlich folgt Chinas Industriepolitik vorhersagbaren Mustern. China mag – zumindest vorerst – technologisch nicht ganz vorn sein. Aber die Produkte sind gut genug, erheblich günstiger und sichern sich große Marktanteile.Hat sich Peking eine Branche ausgesucht, liefern sich die Provinzen einen so intensiven Wettbewerb, lokale Champions hervorzubringen, dass zuverlässig ein Überangebot an Unternehmen entsteht. Der Rest der Welt ächzt unter diesem Wettbewerb. So lief es in der Solarindustrie, in der Chemie und der Autobranche, im Maschinenbau, und so läuft es jetzt bei Chips und in der KI.Die falsche Antwort darauf ist, sich abzuschotten, ob bei der KI oder den Autos. So überlässt man China kampflos den Weltmarkt und antwortet zwar auf die kurzfristigen handelspolitischen Herausforderungen, aber nicht auf die viel langfristigeren technologischen. Das Ziel muss stattdessen sein, selbst wieder besser zu werden.