Ein Jahr nach der Verurteilung: Der Studentenmörder von Idaho will sein Geständnis zurückziehenDer Mord an vier Studierenden in Idaho gehörte zu den grössten Kriminalfällen der vergangenen Jahre. Der verurteilte Täter Bryan Kohberger kritisiert nun die Umstände, unter denen er sich schuldig bekannte.Maurice Koepfli28.07.2026, 15.02 Uhr3 LeseminutenBryan Kohberger wurde zu vierfacher lebenslanger Haft verurteilt.Kyle Green / PoolDer Amerikaner Bryan Kohberger wurde vor einem Jahr wegen des Mordes an vier Studenten in Idaho zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Geständnis beruhte auf einem sogenannten «plea deal». Dabei handelt es sich um eine Verständigung im Strafverfahren zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Angeklagten. Kohberger entging mit dem Deal der Todesstrafe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Jahr später will er nun sein Geständnis zurückziehen und ein Gerichtsverfahren erwirken. In einem Gespräch mit der «New York Times» sagte Kohberger, er habe einen Antrag auf die Aufhebung des Urteils gestellt. Das Gericht veröffentlichte am Montag eine handgeschriebene Mitteilung von Kohberger. Darin bemängelte er eine unzureichende Rechtsberatung.Seine Anwälte hätten es nicht geschafft, die entlastenden Beweise offenzulegen. Zudem seien ihm falsche Versprechen über das Leben im Gefängnis gemacht worden. Im Gespräch mit der «New York Times» sagte Kohberger: «Bei diesen Verhandlungen über ein Geständnis ist vieles schiefgelaufen. Ich möchte wirklich, dass das gehört wird.» Damit könnte nun einer der bekanntesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre erneut verhandelt werden.Täter liess eine Messerhülle zurückDie Tat hat sich im November 2022 im Gliedstaat Idaho im Nordwesten der USA ereignet. Ein Unbekannter verschaffte sich damals Zugang zu einem Wohnhaus nahe der University of Idaho. Am nächsten Morgen wurden zwei Studierende tot in ihren Schlafzimmern im zweiten Stock gefunden, zwei weitere im dritten Stock. Zwei Mitbewohnerinnen schliefen im Erdgeschoss, sie überlebten. Eine von ihnen hatte zwar in der Nacht Geräusche gehört, nach eigenen Angaben jedoch nicht begriffen, was passiert war.Die Brutalität der Morde und das Fehlen verwertbarer Hinweise befeuerten anschliessend Gerüchte über den möglichen Täter im Internet. Hobby-Ermittler suchten nach Spuren. Mehr als 10 000 Hinweise gingen bei der Polizei ein. Falschinformationen verbreiteten sich. Ein Universitätsprofessor, der fälschlicherweise verdächtigt worden war, klagte wegen Verleumdung.Zum Tatverdächtigen führten die zahlreichen Hinweise jedoch nicht. Der Durchbruch gelang den Ermittlern selbst. Auf einer am Tatort gefundenen Messerhülle wurde DNA sichergestellt, die über eine genealogische Datenbank zu Bryan Kohberger führte. Daten des Online-Versandhändlers Amazon zeigten, dass Kohberger ein passendes Messer sowie eine passende Messerhülle Monate zuvor gekauft hatte. Zudem fuhr er einen weissen Elantra – jenes Fahrzeug, das auf Überwachungsvideos mehrfach in der Nähe des Tatorts zu sehen war.Ein unerwartetes GeständnisKohberger wurde im Dezember 2022 verhaftet. Der damals 28-jährige Kriminologiestudent war bis dahin nicht polizeilich bekannt gewesen. Eine Beziehung zu den Opfern konnte nicht festgestellt werden. Nach der Festnahme gab Kohbergers Anwalt an, sein Mandant sei bestrebt, entlastet zu werden.In dieser Zeit verbreiteten sich zahlreiche weitere Gerüchte. Bücher, Dokumentationen und Youtube-Videos beschäftigten sich mit dem Fall und trugen dazu bei, die Spekulationen weiter anzuheizen. So kursiert bis heute die Vermutung, dass es mehr als einen Täter gegeben haben könnte.Wenige Wochen vor Beginn des Prozesses im Juli 2025 gestand Kohberger unerwartet die Tat, ohne ein Motiv anzugeben. Wird der Fall jetzt vor Gericht aufgenommen, könnte Kohberger die Todesstrafe drohen.Passend zum Artikel
Der Studentenmörder von Idaho will sein Geständnis zurückziehen
Der Mord an vier Studierenden in Idaho gehörte zu den grössten Kriminalfällen der vergangenen Jahre. Der verurteilte Täter Bryan Kohberger kritisiert nun die Umstände, unter denen er sich schuldig bekannte.











