Es gibt viele jüdische Viertel in New York City. Nirgendwo ist die größte Stadt Amerikas aber jüdischer als in Crown Heights in Brooklyn. Eastern Parkway / Ecke Kingston Avenue ist das Herz der Lubawitscher und anderer orthodoxer Gemeinden. Hier befinden sich die zentrale Chabad-Synagoge und der Hauptsitz der chassidischen Bewegung, einer mystischen Strömung osteuropäischen Ursprungs.An diesem heißen Julitag stehen Dutzende junge Männer vor der Synagoge, in der einst Menachem Mendel Schneerson wirkte, der „Rebbe“ der Chabad-Bewegung, der von vielen Angehörigen als Messias verehrt wurde. Die frommen Männer unterbrechen ihr Gebet für einen Schwatz. Sie tragen schwarze Hüte, weiße Hemden und Kaftane, die traditionellen schwarzen Mäntel. Die Bärte sind lang, und die Schläfenlocken kräuseln sich auf Kinnhöhe. Junge Frauen mit Perücke und Kopftuch schieben unterdessen ihre Kinderwagen durch die Kingston Avenue, wo sich jüdische Fischmärkte, koschere Imbisse, traditionelle Kleidungsausstatter und Judaika-Geschäfte befinden.Yaacov Behrman ist außer Atem. Er unterscheidet sich von den meisten anderen frommen Männern vor der Synagoge. Zwar hat auch er einen langen, wuscheligen Bart, und sein Haupt ist mit einer Kippa bedeckt, doch trägt er eine rote Hornbrille und ein modisches rosa Hemd, das aus der Hose hängt. Behrman tippt etwas in sein Mobiltelefon und begrüßt Passanten. Nebenbei erzählt er von seinem hektischen Vormittag und den anstehenden Terminen der Woche. Er redet ohne Punkt und Komma.Bei den Demokraten verschiebt sich etwasDer Rabbiner, der in der Verwaltung der Chabad-Zentrale arbeitet, hat viele Rollen. Er legt Wert darauf, festzuhalten, dass das, was er nun erzählen wird, nichts mit seiner Arbeit als Rabbiner oder mit der Chabad-Gemeinde zu tun habe, die sich aus der Parteipolitik generell heraushält. Das, was er zu sagen habe, sage er als jüdischer New Yorker und als Demokrat.Was Behrman seit einiger Zeit Sorgen bereitet, ist eine Verschiebung in seiner Partei, in der er sich seit Jahrzehnten engagiert. Der Umgang mit dem Staat Israel ist zur zentralen Konfliktlinie geworden – zwischen linken und moderaten Demokraten und auch innerhalb des amerikanischen Judentums, dessen politische Heimat die Partei mehrheitlich ist.