Am Samstagabend raste ein weißer Van auf einem Fußweg im Tiergarten in Menschen, die vom Christopher Street Day kamen. Eine 65 Jahre alte Frau aus Polen starb, 29 wurden verletzt.Einen Tag später stellten Spezialkräfte den mutmaßlichen Täter in einer Kleingartenkolonie in Spandau und erschossen ihn. Abdul Ballout, 21 Jahre alt, in Deutschland geboren, deutscher Staatsbürger.Über die Radikalisierung junger Männer im Jahr 2026 sagt sein Fall trotzdem wenig aus. Das ist die eigentliche Nachricht.
„Gestrig“: Warum Ballout aus der Zeit fällt
Peter Neumann forscht am King´s College London zu Terrorismus. Im Interview mit t-online beschreibt er seinen ersten Gedanken zu dem Fall: Ballout habe ihn an die 2010er-Jahre erinnert, er wirke „gestrig“.Jemand, der zwischen kriminellen und dschihadistischen Milieus abdriftet und tatsächlich nach Syrien ausreisen will, sei heute die Ausnahme.„Heute radikalisieren sich die meisten Täter im Internet“, sagt Neumann. Klassische islamistische Szenen, in denen jemand persönlich angeworben werde, gebe es kaum noch.
Am Anfang steht kein Hass
Wer verstehen will, was im Netz passiert, muss dort ansetzen, wo es mit Politik noch nichts zu tun hat.Die Extremismusforscherin Julia Ebner hat sich über zwei Jahre mit erfundenen Identitäten in zwölf radikale Gruppen eingeschleust, von der amerikanischen Alt-Right bis zu IS-Unterstützern. Im IPG-Journal beschreibt sie, was sie dort vorfand.Die meisten neuen Mitglieder suchten „Liebe, Freundschaft, Kameradschaft und Identität“. Viele steckten in einer persönlichen Krise.„Gemein haben diese Leute, dass sie alle mit einer Identitätskrise zu kämpfen haben. In einem solchen Zustand ist jeder anfällig für eine Radikalisierung“, sagt Ebner.Die Ideologie kommt später. Zuerst kommt die Gruppe, die der eigenen Frustration eine Erklärung liefert.













