San Francisco ist der Schauplatz von Olivia Wildes Beziehungskomödie „The Invite“, auch wenn der Ort gut austauschbar ist, denn der Film spielt lediglich im Apartment von Angela und Joe. Seth Rogen und Wilde selbst spielen ein Ehepaar, dem die sexuelle Spannung abhandengekommen ist. Das Paar, mit dem sie es zu tun bekommen, bringt die beiden mit lautem Geschlechtsverkehr um den Schlaf.„The Invite“ beleuchtet den mittelmäßigen Alltag der frustrierten Eheleute in drei Akten. Angela lädt ihre Nachbarn zum Abendessen ein, denn die beiden imponieren ihr mit ihrer Vitalität. Es entfaltet sich ein Kammerspiel, das diese Form zugleich bewusst ausstellt und eine zeitgemäße Antwort auf die Beziehungskrisen von Millennial-Paaren liefert. Erstaunlicherweise bleibt das über weite Strecken kurzweilig.Eine psychologische Satire über die Probleme von MillennialsDie Dinnerparty birgt in sich Konfliktpotential, denn Pina und Hawk (Penelope Cruz und Edward Norton) sind attraktiv, aufgeschlossen und strahlen beachtlichen Sexappeal aus. Sie dienen den Gastgebern als eine Art Projektionsfläche für das eigene eingeschlafene Beziehungsleben. Eine Komödie über den Störfaktor, die nächtlichen Sex-Eskapaden der anderen, entfaltet sich und kippt ins Peinlich-Absurde, ohne dabei geschmacklos zu werden.Eingangs kehrt Joe abgehetzt von der Arbeit heim, sein Rücken schmerzt und er fällt stöhnend zu Boden. Angela bereitet manisch das Abendessen vor. Doch Joe weiß gar nichts von dem Besuch. Außerdem fehlt der Wein. Man schreit sich an, aber die Stimmung war schon vorher schlecht. Die Öffnung einer mehr als 1000 Dollar teuren Flasche Château Haut Brion, vermag daran nichts Wesentliches zu ändern.Als die Gäste schließlich mit dem eigentlichen Grund für ihren Besuch herausrücken – sie veranstalten und besuchen Sexpartys und möchten, dass Angela und Joe dabei einmal mitmachen –, fängt man an, sich darüber Gedanken zu machen, wie so etwas ablaufen könnte. Voraussetzung ist dafür natürlich eine offene Beziehung, die zum Gegenentwurf der festgefahrenen Gastgeber-Ehe wird. Angela und Joe scheitern daran mit Bravour.Das erinnert an den „Gott des Gemetzels“ (2011), die Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück „Le dieu du carnage“ (2006). Auch dort treffen sich zwei Paare, allerdings, um einen Konflikt unter ihren Kindern zu lösen. Je mehr Alkohol sie konsumieren, desto ehrlicher werden die spitzen Dialoge, die gutbürgerliche Fassade bröckelt. Auch Rezas Theaterstück „Kunst“ präsentierte ein ähnliches Setting: Drei Freunde unterhalten sich im Wohnzimmer über ein Kunstwerk und fangen an, sich darüber furchtbar zu streiten.In die Reihe solcher Wohnzimmer-Dramen reiht sich „The Invite“ ein. Man kann diesen Film auch als modernen Kommentar auf „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (1966) sehen, ohne dass er Mike Nichols' zeitloser Inszenierung nahekäme.Edward Norton (Hawk) und Penélope Cruz (Pina) wirken im Gegensatz zu Seth Rogen (Joe) und Olivia Wilde (Angela) vital und selbstbewusst und schüchtern die Gastgeber ein.Tobis FilmHier verläuft die Sache ganz erwartbar genretypisch: Jede Stichelei birgt neues Eskalationspotential, bis es zum Überkochen kommt. Der Konflikt entlädt sich dabei jedoch weniger drastisch, denn Pina und Hawk fungieren als Spiegel für die Probleme von Angela und Joe. Auf körperlicher und psychologischer Ebene therapieren sie das Paar aus, was aus dem Kammerspiel eine psychologische Satire über die Probleme von Millennials macht. Ironischerweise ist Pina Psycho- und Sexualtherapeutin, Hawk, ein ehemaliger Feuerwehrmann, ist Masseur und vor allem entspannt. Der Film stellt die Fehlkommunikation des Paares aus und operiert dabei mit therapeutischem Begriffsbesteck („Weinen ist der beste Weg, um Stress loszuwerden.“)Im Unterschied zu den eher überdreht-exzentrischen Vorbildern spielen Wilde und Rogen nun aber recht normale Leute, die zur Mittelschicht zu rechnen sind und in der Wohnung ihrer Eltern wohnen. Gelegentliche Überzeichnungen gelingen dem Film spielend, auch wenn die Dialoge stellenweise ausfransen.Bezeichnenderweise beginnt alles mit einem Oscar-Wilde-Zitat: „One should always be in love. That is the reason one should never marry“ (Man sollte immer verliebt sein. Das ist der Grund, warum man nie heiraten sollte). Damit ist das Programm schon wie auf dem Präsentierteller serviert, es bietet mit der offenen Beziehung aber noch einmal einen neuen Dreh an.