AnalyseContinental macht Schluss mit dem Zulieferer-ImageWährend viele europäische Automobilzulieferer unter einer schwachen Fahrzeugproduktion leiden, entwickelt sich der Dax-Konzern Continental zu einem der profitabelsten Reifenhersteller der Welt. Der bevorstehende Verkauf der Industriesparte definiert den Investment Case grundlegend neu.Sebastian Lang28.07.2026, 04.01 UhrPremiumreifen, eine führende Marktstellung im Ultra-High-Performance-Segment sowie konsequente Preis- und Kostendisziplin machen Continental zu einem der profitabelsten Reifenhersteller Europas. Rund vier Fünftel des Umsatzes entfallen auf das margenstarke Ersatzgeschäft, dessen Nachfrage sich weitgehend an der weltweit fahrenden Fahrzeugflotte statt an der zyklischen Produktion neuer Fahrzeuge orientiert. Diese strukturellen Vorteile sorgen selbst in einem schwierigen Marktumfeld für eine hohe Ertragskraft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit der Abspaltung der Automotive-Sparte Aumovio und dem kurz vor dem Abschluss stehenden Verkauf von Contitech verschwindet schrittweise ein Konglomerat, dessen Bewertung über Jahre von den strukturellen Problemen des Zuliefergeschäfts geprägt wurde.Continental erzielte 2025 einen Umsatz von 19,7 Mrd. € und zählt zu den fünf grössten Reifenherstellern der Welt. Langfristig profitiert das Unternehmen von mehreren strukturellen Trends: Der globale Fahrzeugbestand wächst, insbesondere in Schwellenländern, während Elektrofahrzeuge aufgrund ihres höheren Gewichts und Drehmoments den Reifenverschleiss erhöhen. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage in Richtung grösserer, leistungsfähigerer Premiumreifen mit höheren Margen.Technologische Kompetenz schafft EintrittsbarrierenDer Markt ist zwar wettbewerbsintensiv, wird im Premiumsegment jedoch von wenigen globalen Anbietern dominiert. Hohe Investitionen in Produktionskapazitäten, technologische Kompetenz, langjährige Kundenbeziehungen und weltweit etablierte Marken schaffen Markteintrittsbarrieren, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben.Allerdings ist der Reifenmarkt keine klassische Wachstumsbranche. Im weltweiten Ersatzgeschäft für Pkw- und leichte Nutzfahrzeugreifen legte das Marktvolumen 2025 lediglich um rund 1% zu. Wertschöpfung entsteht deshalb weniger über steigende Stückzahlen als über Preisqualität, Produktmix und die zunehmende Nachfrage nach grösseren und technologisch anspruchsvolleren Premiumreifen.Dass Continental den Umsatz der Reifensparte organisch dennoch um 2,4% steigern konnte, unterstreicht genau diese Entwicklung. Auf Konzernniveau belief sich der Zuwachs lediglich auf 0,8%, da die Industriesparte Contitech mit der schwachen Konjunkturlage zu kämpfen hatte.Die eigentliche Verbesserung zeigt sich bei der Profitabilität. Trotz schwacher Fahrzeugproduktion im Erstausrüstungsgeschäft, negativer Wechselkurseffekte und zunehmender Handelsbarrieren erzielte das Reifengeschäft zuletzt eine bereinigte Ebit-Marge von 13,6% und gehört damit zur Spitzengruppe der europäischen Reifenhersteller.Die Kapitalrendite (Return on Capital Employed, ROCE) von 23,3% ist zudem aussergewöhnlich hoch und bildet die Grundlage für die starke Cash-Generierung des Konzerns. Hinzu kommt eine hohe Cash Conversion. Das Reifengeschäft erfordert vergleichsweise geringe Reinvestitionen, während das margenstarke Ersatzgeschäft für stabile Mittelzuflüsse sorgt. Dadurch kann Continental einen überdurchschnittlich hohen Anteil seines operativen Ergebnisses in freien Cashflow umwandeln. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen klassischen Automobilzulieferern.Der Konzernumbau steht kurz vor AbschlussVor diesem Hintergrund ist auch aus Aktionärssicht begrüssenswert, dass sich das Dax-Mitglied in Zukunft ausschliesslich auf das Reifengeschäft konzentrieren will. Anfang Juli wurde mit dem Private-Equity-Investor Lone Star Funds ein Käufer gefunden, der bereit ist für Contitech einen Unternehmenswert von 4 Mrd. € zu bezahlen, zuzüglich möglicher erfolgsabhängiger Zahlungen von bis zu 250 Mio. €. Sollten die behördlichen Genehmigungen der Transaktion erwartungsgemäss eingehen, könnte Continental seinen Konzernumbau bis Ende 2026 weitgehend abschliessen.Aus dem erwarteten Mittelzufluss von rund 3,1 Mrd. € sollen nach Angaben des Unternehmens etwa 2,5 Mrd. über Sonderdividenden und/oder Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückfliessen. Danach blieben noch 600 Mio. € für den Schuldenabbau. Ende März wies die Konzernbilanz eine Nettoverschuldung in Höhe von 5,09 Mrd. € auf, was dem 1,9-Fachen des Pro-forma-Ebitda der letzten zwölf Monate entsprach.Auf Basis des für 2026 erwarteten operativen Ergebnisses wird Contitech mit einem EV/Ebitda von rund 7,5 bewertet. Das scheint fair. Zwar wurden vergleichbare Transaktionen im Industriesektor teilweise zu höheren Multiplikatoren abgeschlossen, doch angesichts der schwachen Industriekonjunktur und der zuletzt rückläufigen Profitabilität von Contitech dürfte Continental einen marktgerechten Preis erzielt haben.Der grösste Wert des Deals liegt ohnehin in der strategischen Fokussierung des Konzerns. Zusammen mit der geplanten Verwendung des Grossteils des Erlöses für Sonderdividenden und Aktienrückkäufe schafft die Transaktion die Voraussetzungen für eine Neubewertung des Unternehmens. Die Analysten von UBS sehen beispielsweise durch die Kombination von Kapitalrückführung und einer möglichen Angleichung der Bewertung an internationale Reifenhersteller ein zusätzliches Wertpotenzial von 17 bis 24 € je Aktie.Das Reifengeschäft überzeugt operativBereits bei der Vorlage des Halbjahresfinanzbericht am 4. August wird Contitech als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen. Vieles deutet darauf hin, dass die Stimmung gut sein wird. In seinem Pre-Close-Call mit Analysten Anfang Juli zeigte sich das Management zuversichtlich, dass die bereinigte Ebit-Marge im Reifengeschäft am oberen Ende der Jahresprognose von 11 bis 12,5% landen wird, im besten Fall leicht darüber.Ein wichtiger Faktor bleibt die hohe Preissetzungsmacht der Branche. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds gelingt es insbesondere den Premiumherstellern, Preissteigerungen durchzusetzen und damit inflationsbedingte Kostenbelastungen an ihre Kunden weiterzugeben. Der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern konzentriert sich überwiegend auf das Budgetsegment. Im margenstarken Premiumbereich überwiegen dagegen die Vorteile von technologischer Differenzierung, hoher Markenstärke und dem sicherheitskritischen Charakter des Produkts.Diese Faktoren bilden die Grundlage dafür, dass führende Premiumhersteller auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld zweistellige Ebit-Marge erwirtschaften können. Die italienische Pirelli erzielt mit rund 15% eine noch höhere operative Marge als Continental Tires, während der französische Hersteller Michelin bei rund 11% und die finnische Nokian Tyres nach dem Russlandausstieg derzeit bei etwa 8% liegen.Der eigentliche Hebel liegt in der KapitalallokationAuf den ersten Blick wirkt Continental nicht unterbewertet. Mit einem Verhältnis von Unternehmenswert zu Ebit von 9,7 wird der Konzern bereits auf dem Niveau von Michelin (9,5) und Pirelli (9) bewertet, obwohl die erwartet Ebit-Marge von 11,1% noch durch die Contitech-Sparte belastet wird. Allein eine höhere Profitabilität des verbleibenden Reifengeschäfts dürfte daher kaum ausreichen, um eine deutliche Neubewertung zu rechtfertigen.Das eigentliche Wertpotenzial liegt in der deutlich höheren Cashgenerierung eines fokussierten Reifenherstellers. Gelingt es dem Management, den Verkaufserlös diszipliniert einzusetzen und den steigenden freien Cashflow über Sonderdividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre weiterzugeben, dürften Gewinn je Aktie und Ausschüttungskraft überproportional zulegen.Die Bewertung würde sich dann zunehmend an der Ertragskraft und Kapitalrendite eines fokussierten Premiumreifenherstellers orientieren und nicht mehr an der eines Industriekonglomerats. Dabei ist Continental mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zum für 2026 geschätzten Gewinn von 11 bereits heute günstiger als Pirelli (13) und Michelin (13).Auch nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Monate bieten die Continental-Aktien aus unserer Sicht weiterhin ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.
Der Konzernumbau macht die Aktien von Continental attraktiv
Der Dax-Konzern entwickelt sich zu einem der profitabelsten Reifenherstellern. Das ist auch für Investoren zunehmend attraktiv.









