Die Krise und der Umbruch in der Automobilindustrie hat auch den Zulieferkonzern Continental fest im Griff. Deshalb baut der Dax-Konzern aus Hannover schon seit längerem sehr grundlegend um und stößt viele Bereiche ab. Am Wochenende gab Continental jetzt bekannt, dass auch die Tochtergesellschaft Contitech in einem Milliardengeschäft an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star verkauft werde. Die Continental AG habe nach Zustimmung des Vorstands und des Aufsichtsrats einen Vertrag über die Veräußerung unterzeichnet, teilte Continental am Samstag mit.Der vereinbarte Unternehmenswert beträgt demnach vier Milliarden Euro zuzüglich möglicher erfolgsabhängiger Komponenten von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren. Der Vollzug stehe unter Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und könnte noch bis Ende 2026 erfolgen. Damit ist der ganz große Umbau in Hannover vorerst zu Ende. Zuvor war schon die Antriebssparte Vitesco und das Automobil-Zuliefergeschäft mit dem Namen Aumovio abgetrennt worden.Mit dem Verkauf von Contitech wird Continental wieder zum reinen Reifenhersteller. Der Vorteil: Reifen werden für alle Autos gebraucht, unabhängig davon, ob es ein Verbrenner, ein Elektro- oder ein Hybrid-Fahrzeug ist. Contitech stellt Kautschuk- und Kunststoffprodukte für industrielle Anwendungen her. Die Sparte beschäftigt weltweit mehr als 20 000 Mitarbeiter, davon rund 7700 in Deutschland. Zuletzt hatte Continental angekündigt, 3000 Stellen in der Sparte zu streichen. Damit sollten von 2028 an die Kosten um etwa 150 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden.Die Anteileigner sollen eine Sonderdividende bekommenContinental rechnet durch den Verkauf mit einem Mittelzufluss in Höhe von rund 3,1 Milliarden Euro. Die endgültigen finanziellen Effekte hängen demnach aber noch von verschiedenen Faktoren ab. Der Milliardenerlös soll aber nicht in das verbleibende Kerngeschäft gesteckt werden.ExklusivWolfgang Reitzle:„Mir ist klar, dass ich nicht immer der Beliebteste war“Er gilt als Deutschlands härtester Manager: Wolfgang Reitzle war bei BMW, Ford, Linde und Conti – überall wurde er immer scharf kritisiert, überall hat er tiefe Spuren hinterlassen. Jetzt zieht er sich mit 77 Jahren endgültig zurück.Wie Continental mitteilte, sei beabsichtigt, mit den Erlösen die Finanzverschuldung des Konzerns weiter zu reduzieren sowie den überwiegenden Teil - voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Euro - für die Beteiligung der Aktionäre zu verwenden. Dies solle entweder mittels einer Sonderdividende oder durch eine Kombination aus Aktienrückkäufen und Sonderdividende geschehen. Davon würde dann vor allem der Hauptaktionär profitieren. Das ist mit einem Anteile von etwa 46 Prozent der Continental-Aktien die Familie Schaeffler aus Herzogenaurach, eine der wohlhabenden Unternehmerfamilien in Deutschland. Sie alleine kann mit einer Ausschüttung von mehr als einer Milliarde Euro rechnen könnten.Der Aktienkurs von Continental war bereits in der vergangenen Woche deutlich nach oben gegangen und lag am Freitag bei gut 77 Euro, so hoch wie seit Ende 2021 nicht mehr. Die Familie Schaeffler, die in Herzogenaurach selbst den Zulieferer- und Kugellagerunternehmen Schaeffler mehrheitlich besitzt, hatte 20028 versucht, Conti zu übernehmen (Deckname damals: „Paul kauft Emma“), war aber damit gescheitert. Seitdem sind die Franken Großaktionär. Zudem hatte Schaeffler später die Conti-Sparte Vitesco übernommen, die aber zuerst an die Börse gebracht worden war. Ende April hatte sich Wolfgang Reitzle, ein Vertrauter der Familie Schaeffler, als Chef des Aufsichtsrats von Continental zurückgezogen. Seinen Job hat die Französin Sabrina Soussan übernommen.Continental prüft der Mitteilung vom Samstag zufolge nun auch die Auswirkungen der Transaktion auf die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Diese sollen zu einem späteren Zeitpunkt anpasst werden. Der Ausblick für den Unternehmensbereich Reifen bleibe davon jedoch unberührt.
Continental wird wieder ein reiner Reifenhersteller
Der Zulieferer aus Hannover verkauft die Kunststoff- Sparte mit 20 000 Mitarbeitenden an einen US-Finanzinvestor. Profitieren sollen davon die Aktionäre, einer kann sich ganz besonders freuen.











