Es ging nur um ein Päckchen Marihuana. Genau genommen um 125 Gramm, die Jorgo L. (Name geändert) auf einer Seite das Augenlicht gekostet haben: In Haidhausen sollte der Deal über die Bühne gehen. Jorgo L. zahlte 1000 Euro, doch statt der erhofften Drogen schoss ihm einer der beiden mutmaßlichen Dealer mit einer Pfefferspray-Pistole zweimal aus nächster Nähe ins Gesicht. Einer der Täter wurde bereits verurteilt, jetzt ist der 38-jährige Jonas T. als Mittäter vor dem Landgericht München I angeklagt. Und seine Verteidigerin Julia Weinmann sagt, dass die Tat „vollumfänglich bestritten“ werde.Das Geschehene liegt schon länger zurück, Dezember 2022, und der Haupttäter, der das Reizstoffsprühgerät zweimal abfeuerte, wurde bereits von einer Jugendstrafkammer verurteilt. Er habe im Prozess bezüglich des zweiten Mannes eisern geschwiegen, sagt Rechtsanwalt Thomas Reutemann. Er vertritt den Geschädigten Jorgo L. Als der Anwalt aber für seinen Mandanten eine Klage auf Schmerzensgeld eingereicht habe, soll der Haupttäter den Namen Jonas T. genannt haben.Zum Prozessauftakt vor der 10. Strafkammer schweigt der 38-Jährige zu den Vorwürfen, die die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage vorträgt: Demnach sollen sich Jonas T. und der Haupttäter im Herbst 2022 kennengelernt haben. Irgendwann, kurz vor Weihnachten, soll dann die Idee gereift sein, mit einem fingierten Marihuana-Verkauf potenzielle Interessenten übers Ohr zu hauen.Der bereits verurteilte Haupttäter soll dann über den Messenger-Dienst Wickr den Deal mit Jorgo L. eingefädelt haben. Zugleich, so steht es in der Anklage, sollen die beiden Männer in einem Waffengeschäft in Haidhausen eine Pfefferspray-Pistole gekauft haben, „für den Fall, dass der spätere Geschädigte Schwierigkeiten bereiten sollte“. Das Duo soll nie vorgehabt haben, Drogen zu verkaufen. Stattdessen sollen sie zum Schein eine Plastiktüte mit Füllmaterial vorbereitet haben.Am 21. Dezember war der Tag der „Übergabe“. Gegen Abend traf man sich in Haidhausen. Jorgo L. überreichte dem verurteilten Haupttäter die 1000 Euro, der zog sich in einen Hinterhof zurück und zählte das Geld. Anschließend erklärte er dem „Kunden“, dass das Marihuana an einem anderen Ort von seinem „Kollegen“ übergeben werde. Zu Fuß ging es von der Steinstraße in Richtung Johannisplatz, wo laut Anklage Jonas T. gewartet haben soll.Laut Staatsanwaltschaft stellte Jonas T. die Tüte mit dem Füllmaterial vor Jorgo L. auf den Boden, der sagte, er wolle das Marihuana schon sehen. „Du kannst uns schon vertrauen“, sollen die „Dealer“ noch gesagt haben, aber Jorgo L. war schon dabei, die mehrfach verknotete Tüte zu öffnen. „Hey Bro“, sagte der Haupttäter, und als Jorgo L. aufblickte, schoss er ihm zweimal ins Gesicht.„Es war wie ein Schlag“, sagt der Geschädigte vor Gericht. Dann sei auch gleich Blut über sein Gesicht geronnen. Jorgo L. erlitt eine Mittelgesichtsfraktur, musste zweimal an einem Auge operiert werden, doch die Ärzte konnten sein linkes Auge nicht mehr retten. Nach der Tat litt L. unter Schlafstörungen und hatte abends Panik, das Haus zu verlassen.Die Kammer hat sieben Verhandlungstage angesetzt, Mitte September soll ein Urteil gesprochen werden.
München: Pfefferspray-Angriff bei Drogen-Deal
In München erlitt ein Mann bei einem fingierten Marihuana-Deal schwere Verletzungen durch Pfefferspray.Der Fall wird vor dem Landgericht verhandelt.






