PfadnavigationHomePanoramaAuftritt in der „Heute-Show“Völkerrecht? Straßenverkehrsordnung? „Das ist im Grunde das Gleiche“, behauptet WadephulVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 17:08 UhrLesedauer: 4 Minuten„Wir machen ja jetzt kein außenpolitisches Interview hier“, hoffte Johann Wadephul im Gespräch mit Fabian KösterQuelle: ZDF/https:/www.youtube.com/@heuteshow„Haben Sie immer alles 100 Prozent eingehalten?“ Johann Wadephul nutzt in der „Heute-Show“ Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, um Brüche des Völkerrechts zu relativieren. Als eine Art Leumundszeuge tritt Daniel Günther auf.Bundesaußenminister Johann Wadephul mäandert durch die Rechtsordnung. „Das Völkerrecht muss von allen geachtet werden“, insistierte er noch auf der Plenartagung der UN-Generalversammlung im Juni mit Blick auf Konflikte in Haiti, Libyen und dem Sudan, die russische Vollinvasion in der Ukraine sowie auch die Herausforderung des Klimawandels. In einer Extra-Ausgabe der „Heute-Show“ trat der CDU-Politiker nun weniger hartnäckig für das internationale Recht ein. Angesprochen auf die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro betonte er, „auch andere Dinge bedenken“ zu müssen. Fabian Köster, sonst satirischer Außenreporter, hatte den Außenminister in sein Sommerformat „Next Stop Köster“ eingeladen, in dem er vorgibt, mit seinem politischen Gast in einem Fahrstuhl stecken geblieben zu sein. „Wir machen ja jetzt kein außenpolitisches Interview hier“, warf der CDU-Politiker ein. Doch Köster hatte – allen Scherzen zum Trotz – genau das vor.Lesen Sie auchOb das Völkerrecht – „so schön es ist“ – an realpolitische Grenzen stoße, fragte der Satiriker unumwunden. „Ja, wenn man ehrlich ist, ja, das ist so“, gab Wadephul zu. „Aber ehrlich gesagt, das kennen wir mit Rechtsordnungen.“ Zum Vergleich zog der Außenminister ein eigenwilliges Beispiel heran – die Straßenverkehrsordnung. „Wenn Sie mal an sich denken im Straßenverkehr: Haben Sie das immer alles 100 Prozent eingehalten?“, fragte er den 31-Jährigen. „Im Gesetz steht drin: Wenn du in einer geschlossenen Ortschaft fährst, darfst du nur 50 fahren. Trotzdem fahren welche schneller. So ist es auch im Völkerrecht. Es ist im Grunde das Gleiche.“Dass Falschparken, die Missachtung einer roten Ampel oder die von Wadephul ins Spiel gebrachte Geschwindigkeitsübertretung – im Regelfall – nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt, muss auch Köster gleich in den Sinn gekommen sein. „Ein Stoppschild ist doch jetzt ein bisschen was anderes“, erwiderte er, perplex lachend. „Rechtsordnungen sind da, um eine Orientierung zu geben, aber sie werden nie dogmatisch 100 Prozent eingehalten“, betonte der CDU-Politiker. So würden etwa Ersttäter in aller Regel zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, statt sie gleich mit Haftzeit zu bestrafen.Lesen Sie auchOb ihm die doppelten Standards bei der Benennung von Völkerrechtsbrüchen nicht peinlich seien, wollte Köster wissen. „Es gibt schon auch noch Unterschiede, ob du so wie Putin jetzt im fünften Jahr den Krieg gegen die Ukraine führst und Abertausende von Menschen – auch eigene Menschen – umbringst oder ob diese eine Maßnahme in Venezuela gegen einen Machthaber vorgenommen wird, der jetzt auch nicht gerade Menschenrechte eingehalten hat“, führte Wadephul aus. „Das ist schon noch ein Unterschied.“Ohnehin sei Maduro „ganz tief in Drogengeschäften“ verwickelt gewesen, wofür dieser zur Verantwortung gezogen werden müsse. Dass das Regime des autoritären Politikers nach wie vor besteht und die Amtsgeschäfte an die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übergegangen sind, sah Wadephul als nur vorübergehenden Zustand. „Ich glaube schon, dass da jetzt ein Wechsel stattfindet und dass es da auch eine Veränderung in Richtung Demokratie und Menschenrechte geben kann. Das ist auch das Ziel der USA. Wir unterstützen das auch“, bekräftigte er. „Aber es ist noch nicht passiert, das stimmt schon.“Lesen Sie auchKöster ergänzte Wadephuls fachlich wackeligen, bemüht unterhaltsamen Auftritt mit einem Einspieler aus Kiel, wo der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) seinen norddeutschen Kollegen über den grünen Klee lobte. Der Bundesaußenminister überzeuge mit seinen diplomatischen Fähigkeiten und bringe Gelassenheit nach Berlin. „Wie weit könnte es Johann Wadephul denn bringen in der Politik, wenn er in einer sympathischen Partei wäre?“, fragte Köster konfrontativ. „Boah, also da wären wirklich gar keine Grenzen nach oben“, entgegnete Günther. „Aber ich finde, innerhalb der CDU Außenminister zu werden, ist doch auch schon mega, oder?“, ergänzte der Unionspolitiker. Ob Wadephul gar im „wirklich krassen Konflikt“ zwischen Günther und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vermitteln könnte? „Nee, wir wollen ihn jetzt auch nicht überfordern“, antwortete er unter beidseitigem Gelächter. Günther attestierte seinem Kollegen aus dem CDU-Landesverband Schleswig-Holstein zudem, nicht der Typ für einen Putsch gegen Bundeskanzler Friedrich Merz zu sein. Lesen Sie auchDas zeigte Wadephul dann auch in der engen Aufzugskulisse. „Zum Glück wählt man ja nicht Politiker, sondern Parteien. Und am Ende zahlen wir beide aufs CDU-Konto ein“, erklärte er, als Köster ihn auf seine gegenüber Merz ansehnlicheren Beliebtheitswerte aufmerksam machte. Und wie würde er das erste Jahr der schwarz-roten Bundesregierung bewerten? „Wir sollten uns nicht selbst bewerten. Das machen schon andere. Und wo wird eine Bundesregierung bewertet? Bei der nächsten Bundestagswahl.“
Auftritt in der „Heute-Show“: Völkerrecht? Straßenverkehrsordnung? „Das ist im Grunde das Gleiche“, behauptet Wadephul - WELT
„Haben Sie immer alles 100 Prozent eingehalten?“ Johann Wadephul nutzt in der „Heute-Show“ Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, um Brüche des Völkerrechts zu relativieren. Als eine Art Leumundszeuge tritt Daniel Günther auf.






