Im Ziel bekam Gesa Krause standesgemäß eine aufblasbare Plastikkrone überreicht, sie setzte sie auf, ließ ihren Sieg bei den deutschen Meisterschaften über 3000 Meter Hindernis wirken. Und sie richtete ihre Zeigefinger selbstbewusst auf sich selbst und auf die Krone. Nach dem Motto: Seht her, hier bin ich wieder, und vielleicht bin ich besser als je zuvor. Es war ihr siebter nationaler Titel über ihre Paradestrecke, und in 9:24,40 Minuten war sie schneller als je zuvor bei einer deutschen Meisterschaft. Olivia Gürth und Lea Mayer hatten bei Krauses langem Zielsprint keine Chance. Später sagte Krause am Mikrofon im Wattenscheider Lohrheidestadion gar nicht mehr so selbstbewusst: „Ich war lange nicht mehr so nervös, hatte Lampenfieber, bin zu Hause gesessen und habe alle verrückt gemacht. Ich wollte unbedingt gewinnen und habe mir deswegen sehr viel Druck gemacht.“Obwohl sie sich den Druck gar nicht mehr zu machen bräuchte mit 33 Jahren, als zweimalige Europameisterin und zweimalige WM-Dritte, vor allem aber als Mutter einer kleinen Tochter, die inzwischen den Kindergarten besucht. Krause ist zurück in ihre Heimat Dillenburg gezogen, lebt dort mit Mann und Kind im eigenen Haus mit Garten. Sie ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Vor der deutschen Meisterschaft erzählte sie während ihres 18-tägigen Trainingslagers im Läufermekka St. Moritz, dass ihre Familie auch dabei sei, dass sie mit Lola, ihrer Tochter, auch mal zwischendurch an den See Enten füttern gehe. Dinge, die Sportprofis ohne Kinder wohl eher nicht machen würden. Und die ihr helfen abzuschalten. „Früher war ich schon sehr fokussiert und zu verkopft, dass man sich da auch im Weg steht.“ Sie versuche nun, trotz der Präsenz der Familie den Fokus zu behalten und in der Schweiz nach dem Prinzip zu leben: „sleep high, train low“ – in der Höhe schlafen, im Tal trainieren.Dopingfall Alex Schwazer:Infamer Betrug – oder einer der irrsten Kriminalfälle der Sportgeschichte?Der Geher Alex Schwazer wird zum dritten Mal positiv getestet, wieder beteuert der Italiener seine Unschuld. Nun steuert der Fall auf ein schmutziges Finale zu.Aufhören, eine der besten Hindernisläuferinnen der Welt zu sein, das möchte sie jedenfalls noch nicht. Im Gegenteil: „Das Alter ist eine Zahl auf dem Papier, aber ich fühle mich gar nicht so alt, sondern so, als würde ich genau hierhergehören“, sagte Krause in Wattenscheid: „Ich fühle mich eigentlich so gut wie nie zuvor.“Ihr Laufstil gilt als einer der technisch feinsten und elegantesten im Feld: der kerzengerade, fast schon überdehnte Rücken; die schnellen, nähmaschinenartigen Schritte mit den nicht sonderlich langen Beinen, geschuldet auch der vergleichsweise geringen Körpergröße von 1,67 Metern; der konzentrierte, aber so selten angestrengt wirkende Blick nach vorn. Krause ist seit vielen Jahren eine der dominierenden Hindernisläuferinnen, um genau zu sein seit 2012. Damals gewann sie ihre erste große Medaille, Bronze bei den Europameisterschaften in Helsinki (die ihr erst drei Jahre später zuerkannt wurde, nachdem die zweitplatzierte Ukrainerin Switlana Schmidt nachträglich wegen Dopingmissbrauchs disqualifiziert worden war).Krause ist inzwischen aber mehr, sie ist eine Art Mutter der Leichtathletik-Nation. Nicht nur deshalb, weil sie unter Beweis stellt, auch nach einer Schwangerschaft und mit kleinem Kind wieder an ihre Leistungen anknüpfen zu können. Sondern auch, weil sie das Laufen liebt, und auch die Qualen und Entbehrungen, die das Training dafür bereithält.Gesa Krause bewätigt den Wassergraben und macht sich vor Olivia Gürth auf den Weg zu ihrem nächsten DM-Titel. R. Schmitt/Beautiful Sports/ImagoNur mit einem Ausflug hat sie sich sichtlich schwergetan. Krause lief seit ihrer Rückkehr nach der Babypause zunehmend auch auf der Straße, fünf Kilometer, zehn Kilometer, beim Halbmarathon in Berlin kam sie in starken 1:08,59 Stunden ins Ziel. Doch der Versuch, ihren Ausflug auf die eher ungewohnte Straße auf den Marathon auszudehnen, misslang. Im Dezember 2025 startete Krause in Valencia zum ersten Mal über die 42,195 Kilometer – und stieg nach 34 Kilometern erschöpft aus.„Ich hatte die Illusion, dass es leichter ist, den Spagat zwischen Mittelstrecke und Marathon zu schaffen“, sagt Krause jetzt am Wochenende, und stellt klar: „Ich will gar nicht sagen, dass ich nie wieder einen Marathon laufen werde, das war eine gute Basis. Aber mein Herz gehört der Mittelstrecke. Ich bin Gesa, die Hindernisläuferin. Das ist meine Strecke, und bis Olympia bleibe ich dieser Strecke treu.“Vor den Sommerspielen 2028 in Los Angeles stehen aber noch einige andere Höhepunkte an: die WM 2027 in Peking, aber erst einmal die Europameisterschaft, die bereits in zwei Wochen in Birmingham beginnt. „Ich weiß, dass ich die Chance habe, auch dort ganz oben auf dem Podium zu stehen“, sagt Krause, sie ist derzeit die Zweitschnellste der europäischen Bestenliste, hinter der Britin Elise Thorner. Die Taktik wird eine große Rolle spielen, wie immer, Krause vermutet, dass das EM-Tempo deutlich schneller sein wird als bei den vergangenen Auflagen. Ihr selbst wäre das nicht unrecht, Bummelrennen kann sie nicht wirklich leiden.Und ihre Ambitionen? „Das Ziel ist eine Medaille, wenn das nicht passieren wird, wäre ich schon sehr enttäuscht. Und ich hoffe, dass es die Farbe sein wird, die mir am besten gefällt.“ Gold also, wie 2016 und 2018. Am liebsten noch mit einem unterbotenen deutschen Rekord, den Krause seit 2019 in 9:03,30 Minuten hält. Aber das alles auf einmal zu verlangen, wäre nun auch vermessen, selbst für eine so ehrgeizige Person, wie sie es ist.Manchmal wisse sie selbst nicht so genau, wie sie den Spagat hinbekomme, zwischen Beruf und Familie, zwischen Bahn und Straße, zwischen Training und Büroarbeit. „Es hilft mir inzwischen, im Hier und Jetzt zu leben“, sagt Krause, auch mal einfach den Enten dabei zuzusehen, wie sie das Brot am See verspeisen. Auch wenn sie weiterhin „ein Planer, ein Kontrollfreak“ sei.Bei ihrem Meisterschaftssieg hat sich genau das mal wieder ausgezahlt.
Krause bei der Leichtathletik-DM: „Ich bin Gesa, die Hindernisläuferin“
Gesa Krause gewinnt ihren siebten DM-Titel über 3000m Hindernis in 9:24,40 Minuten. Die zweifache Europameisterin lebt mit Familie in Dillenburg und bereitet sich auf EM und WM vor.












