Noch nie zuvor haben so viele Einwohner der Insel Mallorca gegen die Folgen des Massentourismus demonstriert. Nach Angaben der Polizei protestierten am Sonntagabend im Zentrum von Palma 25.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 70.000. Das waren mehr als bei den großen Demonstrationen in den vergangenen beiden Jahren. Unter dem Motto „Mallorca am Limit“ hat die Plattform „Weniger Tourismus, mehr Leben“, der mehr als 60 Organisationen angehören, zu den Protesten aufgerufen – besonders gegen die Wohnungsnot, die immer dramatischer wird. Am 8. August soll in Sóller die nächste Demonstration folgen.Bei der Abschlusskundgebung kam es nach einem friedlichen Marsch unterhalb der Kathedrale von Mallorca zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Beamte hatten zunächst die Zugänge zu dem Platz gesperrt, obwohl er nur halb gefüllt war, wie die Zeitung „Ultima Hora“ berichtete. Mehrere Zehntausend Menschen mussten draußen bleiben. Am Ende der Kundgebung bewarfen dann laut Presseberichten einige Demonstranten die Polizisten mit Plastikflaschen. Diese reagierten mit Schlagstöcken und Gummimantelgeschossen. Bis zu acht Personen, unter ihnen angeblich auch Touristen, wurden verletzt. Auf einem Video war ein Mann mit einer blutenden Kopfverletzung zu sehen. Demonstranten riefen „Schande“ und „Weg mit den Besatzungstruppen“.An der Spitze des Zuges marschierten Aktivistinnen, die Mitte Juli festgenommen worden waren. Sie hatten die Schaufenster von fünf Maklerbüros mit Graffitis beschmiert und Schlösser blockiert. Zwei junge Frauen wurden damals in Handschellen abgeführt und unter anderem der Bildung einer kriminellen Vereinigung beschuldigt. „Sie sind Aktivistinnen, keine Terroristinnen“, riefen am Sonntag Demonstranten. Das harte Vorgehen trage dazu bei, sie zu „Märtyrerinnen“ zu machen, warnte die Zeitung „Diario de Mallorca“ am Montag.Ein neues „Handbuch zur Aktion gegen den Tourismus“Einige Organisatoren der Proteste hatten zuvor ein „Handbuch zur Aktion gegen den Tourismus“ veröffentlicht, das zu „gewaltfreien direkten Aktionen“ aufrief: So sollen Schlösser und die kleinen Schlüsselkästen an den Eingängen von Ferienwohnungen mit Silikon unbrauchbar gemacht werden. Dabei sollten sie dunkle Kleidung und Gesichtsmasken tragen.Ein Sprecher der Aktivisten sagte, die „wahre Gewalt“ seien die Folgen von Wohnungsnot und Gentrifizierung und des andauernden Drucks des Massentourismus. Naturschutzorganisationen wie GOB und Terraferida sowie mehrere Gewerkschaften distanzierten sich von dem „Handbuch“. Doch die Aktionen gehen weiter. In Artà wurden Reifen von Mietwagen zerstochen. Slogans wie „Guiris fuera“ (Ausländische Touristen raus) und „Tourists go home“ werden an Wände gesprayt. Ein drastisches Video einiger Tourismusgegner hatte vor Kurzem angekündigt: „Die Hotels werden einstürzen, und so wird die Welt verstehen, dass zu viele Touristen kommen.“In diesem August werden wegen der totalen Sonnenfinsternis, die sich von den Balearen gut beobachten lässt, noch mehr Touristen erwartet als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Besucher stieg auf den Inseln mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern von gut 11 Millionen im Jahr 2005 auf mehr als 19 Millionen 2025. Die mehr als 140.000 Ferienwohnungen haben den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöht. Die Immobilienpreise haben sich mehr als verdoppelt. Sie werden für immer mehr Einheimische, von denen viele für die Touristen arbeiten, unbezahlbar.
Mallorca: Protest gegen Massentourismus eskaliert
So viele Menschen wie noch nie demonstrieren auf Mallorca gegen die Folgen des Massentourismus und die Wohnungsnot. Die Organisatoren rufen in einem Handbuch zu „gewaltfreien direkten Aktionen“ auf.











