Andrea Pirlo wird nicht italienischer Nationalcoach – das Engagement scheitert an seinen Verbindungen zu RusslandPirlos Ernennung als Commissario tecnico galt bloss noch als Formsache. Doch übers Wochenende wurde die Kritik immer lauter, weil Pirlo Markenbotschafter eines russischen Wettanbieters ist.27.07.2026, 13.40 Uhr3 LeseminutenSorgt in Italien mit seinen Verbindungen nach Russland für Empörung: Andrea Pirlo, Weltmeister von 2006, wird nicht Trainer der Squadra azzurra.Luis Vieira / APItalienischer Fussball und Drama gelten mittlerweile als Synonyme. An der letzten Europameisterschaft scheiterte das Nationalteam bereits im Achtelfinal an der Schweiz, im Frühling verpasste unser südlicher Nachbar zum dritten Mal in Folge die Weltmeisterschaft. Zwölf Jahre Abwesenheit: Eine ganze Generation junger Italiener hat die Squadra azzurra noch nie an einer WM gesehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach dem abermaligen Scheitern kündigte der italienische Fussballverband tiefgreifende Veränderungen an, die Verbandsverantwortlichen traten ebenso zurück wie der Nationalcoach Gennaro Gattuso. Es übernahmen: Giovanni Malagò als Präsident, Paolo Maldini als Technischer Direktor und Leonardo als dessen Berater. Ihre vordringlichste Aufgabe: die Suche nach einem neuen Trainer. Doch da entfaltet sich bereits das nächste Drama.Der Vierjahresvertrag lag schon bereitDenn die Suche nach einem geeigneten Coach gestaltet sich schwierig, und zwar schon seit Wochen. Zunächst hiess der Wunschkandidat Josep Guardiola. Doch der katalanische Trainer sagte dem Verband genauso ab wie Carlo Ancelotti, der mit Brasilien an der WM im Achtelfinal gescheitert war.Da erinnerte sich Maldini an Andrea Pirlo. Die beiden hatten in der Squadra azzurra jahrelang zusammengespielt. Maldini und Pirlo: Sie stehen für die Zeit, als Italien im Fussball noch nicht regelmässig absurdes Theater aufführte. Was liegt da näher als die Reaktivierung der erfolgreichen Zusammenarbeit? Vor einigen Tagen galt Pirlos Ernennung als italienischer Nationaltrainer jedenfalls bloss noch als Formsache, der Vierjahresvertrag lag schon bereit.Doch übers Wochenende kam es zur Kehrtwende, und seit Montag ist klar, dass Pirlo doch nicht der neue Commissario tecnico wird. Weshalb Maldini nun seinerseits mit dem Rücktritt droht.Das Engagement Pirlos scheitert an seinen Verbindungen nach Moskau. Seit er im Juli 2025 als Coach beim FC United in Dubai unterschrieb, ist der 47-Jährige Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet. Sergei Lomakin, ein milliardenschwerer Russe und Inhaber des Klubs aus den Emiraten, ist Teilhaber der Plattform Fonbet.Und ebendiese Russland-Connection sorgte in Italien nun für grosse Empörung. Insbesondere, dass Pirlo kürzlich für eine öffentliche Autogrammstunde nach Moskau reiste. Am 24. Mai besuchte er eine Veranstaltung im Luschniki-Stadion, die im Rahmen des russischen Cup-Finals stattfand. Dort liess sich Pirlo feiern, posierte für Fotos, schrieb Autogramme und nahm an weiteren PR-Aktivitäten des russischen Wettanbieters teil.Pirlo unterschrieb mit Fonbet als PrivatpersonAm Wochenende erinnerten in Italien nun zahlreiche Politiker daran und kritisierten Pirlos Ernennung zum neuen Nationalcoach heftig. Pina Picierno, die italienische Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, sagte: «Er hat freiwillig und wiederholt sein Ansehen für die Normalisierung des Putin-Regimes eingesetzt und an Initiativen teilgenommen, die von der Kreml-Propaganda ausgenutzt wurden, während die Ukraine bombardiert wurde. Ihn zu wählen, ist ein schwerwiegender Fehler.»Die «Gazzetta dello Sport» schrieb zunächst, Pirlos Wirken als Markenbotschafter für Fonbet könnte mit seiner Tätigkeit als United-Trainer zusammenhängen. Der italienische Verbandspräsident Malagò veranlasste daraufhin eine Untersuchung. Und die ergab, dass dem nicht so ist. Laut den Angaben hat Pirlo einen separaten Vertrag als Privatperson mit dem Wettanbieter unterschrieben. Weshalb Malagò am Sonntag entschied, dass Pirlo für den Posten des Nationaltrainers nicht infrage komme. Und neben dem Commissario tecnico nun vielleicht bald auch einen neuen Technischen Direktor suchen muss. Klar ist nur: Italiens Fussball-Drama geht weiter.Passend zum Artikel