Mit dem Slogan »Ferienzeit ist Lesezeit« werben Buchhändler und Verlage gefühlt seit Jahrhunderten. Stimmt das eigentlich, wollen wir uns ans Buch fesseln lassen während der schönsten Zeit im Jahr? Und was ist das überhaupt, eine »gute Urlaubslektüre«?

Zu zweiter Frage erklärt mir die KI erwartbar unentschieden: »Kommt drauf an, welche Art Urlaub und welche Art Lektüre du willst. Eine pauschale ›gute Urlaubslektüre‹ gibt es nicht — das ist sonst nur eine Sammelkategorie für Bücher, die leicht konsumierbar sind.«»Leicht konsumierbar« als Kategorie für Texte, die ich im Urlaub lese – nun ja.Zur ersten Frage kommt von mir ein klares Ja. Ich will lesen, bis ich nicht mehr sitzen, liegen, gucken kann. Klar, ich darf schon während der Arbeitszeit lesen, doch die sogenannte Ferienlektüre ist immer noch ein besonderes Vergnügen. Der wahre Luxus: ohne Notizen, Zettelchen, Hintergedanken einfach mal abtauchen. Losgelöst von Aufgaben und vom Alltag eine neue Welt lesend erfahren – das ist für mich fester Bestandteil eines gelungenen Urlaubs.

Als Kind habe ich auch auf die Sommerferien hingefiebert, weil ich dann ohne Zeitlimit lesen durfte. Konnte ich bis nach Mitternacht das Buch nicht aus der Hand legen, schlief ich am nächsten Tag einfach so lange es nötig war, um dann neu erfrischt die Lektüre fortzusetzen. Als älterer Teenager entwickelte ich die inzwischen verlorene Fähigkeit, stundenlang auf einem Handtuch liegend am Strand zu lesen. Heute brauche ich gepolsterte Sitz- und Liegemöbel im Schatten.