PfadnavigationHomePanoramaFeuerinferno in Europa„Dieses Feuer macht mir Angst“ – Flammen nähern sich „unkontrolliert“ Großstadt in FrankreichStand: 10:08 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Waldbrände in Südeuropa sind noch immer außer Kontrolle. Im Südwesten Frankreichs bedrohen die Feuer inzwischen die Region um Bordeaux. Die Flammenfront liegt nur noch etwa 15 Kilometer vor der Großstadt. Über 260.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.In drei Ländern Europas wüten Brände teils unkontrolliert. In Frankreich ist das Feuer kurz vor einer Großstadt. Hunderttausende müssen das Gebiet verlassen. An der Adriaküste ist eine Evakuierung nur mit Schiffen möglich.In Frankreich und Spanien haben tausende Einsatzkräfte am Wochenende gegen verheerende Brände gekämpft. Der Sprecher des französischen Feuerwehrverbandes FNSPF, Eric Brocardi, sprach im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag von einem „David-gegen-Goliath-Szenario“.Bis zum Wochenende waren wegen der Feuer in Frankreich und Spanien mehr als 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, sprach von einem Feuer-„Monster“.In Frankreich wüteten die Flammen vor allem im Südwesten des Landes, wo sie sich laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt „unkontrolliert“ nahe der Stadt Bordeaux ausbreiteten. Am Sonntag rückten sie demnach bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Stadt-Großraums heran.Nuñez zufolge blieb die Lage im ganzen Land auch weiter „sehr ungünstig“. 250.000 Menschen waren nach offiziellen Angaben bis Sonntagnachmittag von einer Evakuierungsaufforderung betroffen. Sie ist damit eine der bislang größten in Frankreich infolge von Bränden.Die meisten Menschen wurden in der Region Gironde in Sicherheit gebracht, aber auch das benachbarte Département Landes war betroffen. Dort war ein weiterer Waldbrand nach Angaben der Behörden zwar „besser unter Kontrolle, aber noch nicht gestoppt“.Lesen Sie auchZuvor hatte der Innenminister betont, Frankreich habe noch „ein konvektives Feuer (das sich selbst nährt, Anm. d. Red.) dieses Ausmaßes“ erlebt. Er versprach, „alles zu tun“, um die Stadt Bordeaux zu schützen. Die Zeitung „Le Monde“ zitierte Feuerwehrleute vor Ort mit den Worten „Da waren wir völlig überfordert“, „Wir haben uns zurückgezogen und die Schläuche eingepackt“ oder auch „Ich muss zugeben, dieses Feuer macht mir Angst“.Bürgermeister Thomas Cazenave schloss am Sonntag eine Evakuierung der 850.000-Einwohner-Großstadt vorerst aus. Er fügte hinzu: „Wir sind sehr wachsam. Wir sind auf alles vorbereitet.“Allein in der Umgebung von Bordeaux wurden mindestens 240 Häuser zerstört, viele davon in der Gemeinde Le Porge. Am Wochenende beteiligten sich an den Einsätzen gegen die Flammen im Département Gironde rund 2500 Feuerwehrleute, 1500 Militärangehörige und etwa 1200 Polizisten.Die wichtigste Autobahn südlich von Bordeaux sowie der Bahnverkehr wurden gesperrt. Die örtliche Präfektin Sophie Brocas appellierte an Touristen, dem Gebiet fernzubleiben und „andere Reiseziele in Betracht zu ziehen“.42.000 Hektar Land in der Gironde fielen nach Angaben der Präfektur bislang den Flammen zum Opfer. Damit zählen die Brände in der Gegend zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört.Laut dem französischen Feuerwehrverbandssprecher Brocardi hat der Großbrand in Frankreich einen beispiellosen „Pyrocumulonimbus“ hervorgerufen - eine gigantische, unbezähmbare Feuerwolke, die ihre eigenen Winde erzeugt und Blitze mit sich bringt, die wiederum weitere Brände auslösen. „Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario“, sagte Brocardi der AFP. Die Feuerwehrleute hoffen ihm zufolge auf eine „Schwachstelle“, an der sie ansetzen können.Waldbrand an italienischer AdriaküsteNach der Ausbreitung eines Waldbrands an der südlichen Adriaküste sind in Italien hunderte Menschen mit Schiffen in Sicherheit gebracht worden. Insgesamt seien am Sonntag mehr als 400 Touristen und Strandbesucher „über den Seeweg“ evakuiert worden, erklärte die Küstenwache in Onlinediensten. Dies sei die „einzig machbare Evakuierungsroute“ gewesen.Die Betroffenen wurden demnach aus dem Gebiet um die Stadt Peschici in der südlichen Region Apulien in Sicherheit gebracht. An dem Einsatz waren sechs Schiffe der Küstenwache, drei Boote der italienischen Finanzpolizei und etwa zehn private Schiffe beteiligt, wie die Küstenwache weiter mitteilte.Ein Sprecher erklärte, dass wahrscheinlich noch rund 300 weitere Menschen in Sicherheit gebracht werden müssten. Der Einsatz dauerte demnach an.Auf Bildern waren Feuerwehrleute und ein Löschflugzeug zu sehen, die gegen die Flammen kämpften. Unmittelbare Gefahr für Wohnhäuser in der Stadt bestand zunächst aber nicht. Örtliche Medien zitierten den Bürgermeister von Peschici mit den Worten, die Lage sei „unter Kontrolle“.Brände haben in Spanien eine „massive Krise“ ausgelöstIm Nachbarland Spanien haben die Brände eine „massive Krise“ ausgelöst, sagte die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, dem Sender TVE. Die Feuer betreffen demnach „ein 280 Kilometer großes Gebiet, das eine Fläche von 77.000 Hektar umfasst“.Laut Spaniens Ministerin für den ökologischen Wandel, Sara Aagesen, betreffen diese 77.000 Hektar die Region Madrid und die Provinzen Ávila und Toledo. Das Feuer in Ávila mit einer verbrannten Fläche von 50.000 Hektar sei der „größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte unseres Landes“.Allein nahe Madrid mussten Zehntausende ihre Häuser verlassen. Westlich der spanischen Hauptstadt loderten die schlimmsten Brände. Spaniens König Felipe VI. besuchte in einer Notunterkunft Menschen, die vor den verheerenden Waldbränden aus ihren Häusern fliehen mussten.Die Betroffenen hätten „viel“ verloren, beklagte der König am Sonntag beim Besuch der nahe Madrid gelegenen Gemeinde Villamanta. „Gemeinsam haben wir ein Naturerbe von unschätzbarem Wert verloren.“Nahe der Küstenstadt Valencia mussten wegen eines neuen Waldbrandes am Wochenende 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt wurden damit landesweit rund 75.000 Einwohner oder Touristen evakuiert.„Schwierige“ Stunden für EinsatzkräfteDurch den starken Wind könnten die Flammen weiter angefacht werden. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Brände.Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach am Sonntag von „schwierigen“ Stunden, die vor den Einsatzkräften lägen. Gleichzeitig sagte er bei einem Besuch in der Provinz Ávila, die Nacht sei mit Blick auf den Brandverlauf, die Eindämmung der Flammen und die Löscharbeiten „sehr positiv“ verlaufen.AFP/jm